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Schauspielhaus Bochum

Aus Shakepeares Helena wird Paris

BOCHUM Eine Frau nimmt sich einen Mann, auch gegen dessen Willen. Das war zu Shakespeares Zeiten ungewöhnlich genug. Am Schauspielhaus Bochum überrascht die Komödie „Ende gut, alles gut“ gleich doppelt.

Aus Shakepeares Helena wird Paris

Eine Szene aus Shakespeares selten gespielter Komödie „Ende gut, alles gut“: Die Königin von Frankreich (Günter Alt) befiehlt Brigitte (Daniel Stock, r.) die Ehe mit Paris (Raphaela Möst, l.). Foto: Declair

Robert Schuster hat in seiner Inszenierung die Geschlechterrollen auf den Kopf gestellt. Und damit nicht genug. Die Frauen werden zu Männern, die aber von Frauen dargestellt werden.

Aus Shakespeares Helena wird Paris, die von Raphaela Möst gespielt wird, und aus Bertram wird Brigitte, der Daniel Stock sein Gesicht gibt. Das klingt kompliziert, sorgt aber vor allem gleichermaßen für Denkstoff und Vergnügen.

Irritationen

Raphaela Möst spielt diesen jungen Mann in Latzhosen oder Wanderkluft so unbedarft und bescheiden, wie es Shakespeares Frauenbild entspricht. Und doch verfolgt er unbeirrt sein Ziel, macht sich die Königin zur Verbündeten, die eine Zwangsheirat verordnet, und greift, als das Objekt der Begierde flieht, zur List. Mit seinen/ihren Handlungen irritiert er den Zuschauer so manches Mal.

Genau das macht die Inszenierung so intelligent: Sie macht den Zuschauer zum Mitakteur. Weil zwei Geschlechter in einer Person vereint sind, wird er permanent verführt, über beide Möglichkeiten nachzudenken und damit über seine eigenen Vorstellungen und Bewertungen.

Genderdiskussion überflüssig

Da braucht es gar nicht die Anspielungen auf Genderdiskussion und MeToo-Debatte. Was macht es anders, dass mit Helena eine Frau in den Krieg zieht, nur um den unerwünschten Ehemann zu entkommen? Wieso befremdet es, dass sie herrisch wirkt, wo ein Mann einfach durchsetzungsfähig genannt würde?

Wie seltsam ist es, dass ein Mann wie Giovanni (Therese Dörr) so sittsam und fügsam ist? Wie anders wirken vulgäre Sprüche, wenn sie von einer Geisha (Jürgen Hartmann) statt von Shakespeares Narren kommen? Neben dem Geschehen auf der Bühne entsteht immer wieder Kopftheater.

Auf der anderen Seite ist da das pure Vergnügen am Spiel des Ensembles, dem man ansieht, wie viel Freude es an seinen Rollen hat. Vor allem treue Theaterbesucher erleben „ihre“ Schauspieler neu.

Coco und Chanel

Riesenapplaus ernten deshalb am Ende auch alle Nebenfiguren. Günter Alt erscheint beispielsweise als eine gewaltigere Version der Queen auf der Bühne.

Und Roland Riebeling und Christoph Heiseler setzen dem Rollentausch noch eins drauf. Die beiden Schauspieler ziehen als Coco und Chanel in den Geschlechterkampf, verkleiden sich dann aber als Männer und spielen, wie Frauen sich Männerposen vorstellen könnten.

Großartig.

Termine: 8./17./25.2., 7./ 16./25./13.3.; Karten: Tel. (0234) 33335555.

www.schauspielhausbochum.de

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