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Außenseiter als positiver Held

Oberhausen Mit der Verpflichtung von Valentin Jeker als Regisseur von Shakespeares "Kaufmann von Venedig" am Oberhausener Theater ist dem scheidenden Intendanten Johannes Lepper dort noch mal ein besonderer Coup gelungen.

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Der Kaufmann von Venedig (Klaus Zwick, sitzend) und sein Freund Bassiano (Neven Nöthig).

Jeff Zach in der Rolle des Shylock.

Der 73-jährige Theatermann, während der Intendanz von Frank-Patrick Steckel in Bochum engagiert und unter Manfred Beilharz u. a. in Bonn gefeiert, holt mit einer feinen, pointierten wie ernsthaften Inszenierung das Beste aus dem Ensemble heraus und spielt auch noch selbst als Diener Balthasar mit.

So ist etwa sein Shylock bei Jeff Zach (Foto) ein sympathischer Verlierertyp: Kein schmieriger und radikal böser Jude, sondern ein ebenso konsequenter wie einsamer Streiter. Wenn dieser Geldverleiher für das ihm nicht zurückgezahlte Vermögen ein Pfund Fleisch aus dem Körper des Kaufmanns fordert, dann zahlt er es den unehrlichen "Christen" nur heim, die ihn meiden oder anspucken und so zum Außenseiter gemacht haben. Durch etwas langsameres und deutlicheres Sprechen könnte Zach die Figur übrigens noch weiter aufwerten.

Franziska Werner als perlenbehängte Porzia und Franziska Weber als deren Zofe Nerissa wechseln virtuos zwischen privatem und öffentlichem Ton und gestalten bei der späteren Verkleidung ihre Männerrollen seriös und betont sachlich (was leider Sabine Wegmann als Doge völlig abgeht).

Lebemänner

Klaus Zwick spielt den Kaufmann als melancholisches, etwas unscheinbares Männchen, Neven Nöthig (Bassiano) und Michael Witte (Graziano) geben zwei Lebemänner in dessen Umgebung: Ersterer eine graue Maus im Shoppingwahn, Letzterer ein lustbetonter Prolet im weißen Nadelstreifenanzug. Martin Müller ist ein hinreißender Lancelot.

Die Bühne von Beatrix von Pilgrim ist zweigeteilt: unten ein tristes, schäbig-braunes Kaufmannsmilieu, oben die lichte Belle Etage der reichen Erbin Porzia in Belmont. Wenn Ausstattung und Sprache (gespielt wird die Übersetzung von Richard Flatter aus den 1960er Jahren) auch die Gegenwart mit hinein nehmen, so ist dieser Oberhausener "Kaufmann" doch insgesamt ein klassisch-zeitloser Klassiker. Klaus Stübler

Karten: Tel. (02 08) 8 57 81 84.

www.theater-oberhausen.de

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