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Ausstellung "Hair" zeigt haarige Kunst

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen

Das grelle Blond macht Andy Warhols Marilyn zur Pop-Ikone, am roten Schopf erkennt man den Verräter Judas: Der Rolle des menschlichen Haares in der Kunst widmet sich die große Sonderausstellung "Hair!" ab Sonntag in der Ludwigsgalerie Schloss Oberhausen.

OBERHAUSEN

von Von Britta Helmbold

, 20.09.2013
Ausstellung "Hair" zeigt haarige Kunst

Ein hübscher Rücken kann auch entzücken: Die Blonde in Rot, die sich hier spiegelt, hat kein Gesicht - ein humorvoll-irritierendes Spiel mit Klischees hat Simon Schubert mit seiner Skulptur »Elle« geschaffen.

Zu sehen sind 134 Kunstwerke - Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Film, Fotos und Installationen - von der Antike bis zur Gegenwart, viele davon aus der Sammlung Ludwig. Die Bandbreite reicht von einem Männerkopf mit aufwändiger Haartracht von 350 v. Chr. über Riemenschneiders "Marientod" und ein Kruzifix mit Echthaar bis hin zu Jeff Koons ironisch-verkitschten Putten-Skulpturen und Anita Brenddgens Installation "Friseursalon".

Dialoge aus verschiedenen Jahrhunderten Schön hat die Schau die Parallelen und Brüche inszeniert, den Dialog zwischen Kunstwerken aus verschiedenen Jahrhunderten in Szene gesetzt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Hair!

Dem Haar in der Kunst widmet die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen eine große Sonderausstellung. "Hair!" zeigt mit 134 Werken, dass sich Künstler von der Antike bis heute mit der menschlichen Behaarung beschäftigt haben.
20.09.2013
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Hendrik Kerstens spielt in seinem Foto mit der Darstellung von Frauen mit Haube in der niederländischen Malerei im 17./18. Jahrhunderts. Er drapiert auf dem Kopf seiner Tochter Papierrollen, die an Hauben, aber auch an ein Badetuch erinnern.© Henrik Kerstens, courtesy NUNC Contemporary, Antw
Domenico Gnoli monumentalisiert das Alltägliche: "Hair Partition (Scheitel)".© Foto: Museum Ludwig im Staatlichen Russischen Mus
Das Porzellan-Figürchen "Dirigent der Affenkapelle" (1753-1765/66) von Johann Joachim Kaendler/Peter Reinicke ist ein ironischer Kommentar auf das "Lackaffen"-Gehabe ihrer Zeitgenossen.© Foto: Museen der Stadt Bamberg, sammlung Ludwig,
Das Schönheitsideal ändert sich -Ganzkörperbehaarung als göttliches Geschenk: "Erhebung der Maria Magdalene (Maria Aegyptiaca)" entstand um 1480.© Foto: Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, Gold
Elfenbeinkamm,um 1560© Foto: Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, Gold
Frauenkopf, um 240 n. Chr.© Foto: Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, Groß
"Marientod" schuf Tilman Riemenschneider um 1515. An den Frisuren lassen sich die Heiligen erkennen.© Foto: Sammlung Marks/Thomèe, Aachen, Gold
Rot steht für Erotik, Sünde... Volker Stelzmanns "Frau im roten Kleid" entstand 1876-1979.© Museum der bildenden Künste leipzig, Sammlung Lud
"Madonna - Liebendes Weib" schuf Edvard Munch 1902.© Foto: The Much Museum/The Munch EllingsenGroup/VG
Das Foto einer behaarten Hand von Herlinde Koelbl.© Foto: dpa
Als Kritik am Herausputzen der Zeitgenossen ist das Meißener Porzellan-Figürchen "Dirigent der Affenkapelle" mit seiner aufgetürmten Lockenpracht zu verstehen - ein "Lackaffe" aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. In den Nuller-Jahren unseres Jahrhunderts beleuchtet Cindy Sherman das Verhalten und die Schönheitsideale der Reichen und (vermeintlich) Schönen in ihrer Foto-Serie "Society Ladies".

Rapunzelzopf

Im ersten Raum bekommt der Besucher einen Einblick in die Vielfalt der haarigen Themen, die dann in den weiteren Ausstellungsräumen vertieft werden. In sechs Gruppen präsentiert Kuratorin und Museumsdirektorin Christine Vogt das Haar in der bildenden Kunst.Unter dem Schwerpunkt "Haar und Kult" findet sich ein Rapunzelzopf, Franz von Stucks "Die Pest" mit Medusenhaupt und Edvard Munchs "Madonna". Bei der "Haarfarbe" wird deutlich, dass unser Blondinen-Bild auch in Schwarz-Weiß funktioniert - zumindest wenn es sich um Richard Avedons Foto von Brigitte Bardot handelt.Die erotische Frau Rot steht für die sündige, aber auch erotische Frau - Munch schuf seine Marat-Mörderin gleich ganz in dieser Farbe. Und bei Simon Schuberts rotgekleideten "Elle" gibt es kein Gesicht, um den Skulpturenkopf fallen nur blonde Haare.

Bei "Haar und Macht" geht es um den Bart als männliches Machtsymbol, darunter Hans Arps "Schnurrhut", aber auch um deren Verlust, wenn das Haupthaar fällt, wie bei einer Samson-Darstellung.

Locke als Andenken

Weitere Themenkomplexe sind das Haar, die Locke als Andenken, in der Romantik wurde es zu Schmuckstücken verarbeitet, die Frisur als Gruppenzugehörigkeits- und Statussymbol und das Frisieren.Beängstigend hat Rebecca Horn in ihrem Film von 1974/75 den Akt des Haareschneidens mit zwei Scheren verewigt - mit einem gesprochenen Text vom kürzlich verstorbenen Schauspieler Otto Sander.

Ludwiggalerie Schloss Oberhausen: "Hair!", 22.9.-12.1., Konrad-Adenauer-Allee 46, Di-So 11-18 Uhr, Katalog 39,80 Euro.

 

 

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