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Ausstellung: Roger Rigorths skurrile Skulpturen

GELSENKIRCHEN Im Park von Schloss Berge in Gelsenkirchen-Buer profitiert die Kunst von der Vergänglichkeit in der Natur. Dort wächst seit 15 Jahren mit jeder abgestorbenen, windbrüchigen Pappel ein ungewöhnlicher Skulpturengarten.

von Von Bernd Aulich

, 11.08.2008
Ausstellung: Roger Rigorths skurrile Skulpturen

Rigorths Baumobjekt.

"Kunst am Baum" nennt Ulrich Daduna, Vorsitzender des Kunstvereins Gelsenkirchen, seine Idee, Künstlern Jahr für Jahr einen Stamm aus weichem Pappelholz zur Gestaltung zu überlassen. Dass die Baumkunst so vergänglich ist wie die Natur, nehmen Künstler und Kunstverein in Kauf. Von Stefan Pietrygas ultramarinblau eingefärbter "Pappel Westband", der 1993 entstandenen ersten Skulptur, blieb ein vermoderter Stumpf übrig.

Dieses Schicksal wird auch dem 16. Baumobjekt beschieden sein, obwohl Holzbildhauer Roger Rigorth den Stamm in der Mitte mit einem schützenden, dickbäuchigen Kokon aus Kokosgeflecht ummantelt hat. Rigorth, 1965 in der Schweiz geboren, aber seit vielen Jahren in der Nähe von Darmstadt zuhause, liebt das Skurrile. Das zeigt nicht nur der Phantasietitel "cocon aquaris", der auf den lateinischen Begriff für Wasser (aqua) gemünzt ist. Der Wasser-Verweis manifestiert sich an der Spitze. Kein Zweifel, da ist die Pappel zum Paddel mutiert.Verträumte PhantasieAuch diesmal zeigt das Gelsenkirchener Museum zur Übergabe der neuen Baumskulptur eine ergänzende Ausstellung, die Einblick in das geistige Umfeld des Künstlers gewährt. Und hier zeigt sich Rigorth so symbolversessen wie verspielt. Das Wechselspiel aus konvexen und konkaven Formen taucht hier ebenso wie die Kokosummantelung in einem vier Jahre alten wuchtigen Objekt, das Modell für die Baumskulptur gestanden haben könnte, und in zwei Mobiles aus dem vergangenen Jahr auf. Dass sich dieser Künstler eine wunderbar kindlich verträumte Phantasie bewahrt hat, belegt nicht nur die Installation aus neun Holzbooten mit vergoldeten dicken Mastaufsätzen aus Gips, die in ihrer diffusen Gestalt figurative Kraft behaupten, sondern auch eine hölzerne Orgel mit vierschrötigen Pfeifen und einer Walze samt Kurbel.