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Folkwang-Museum Essen

Ausstellung zeigt faszinierenden fernen Osten

ESSEN Ein Gewand des No-Theaters zeigt in der Ausstellung "Inspiration Japan" Blumenstickereien auf goldener Seide, präsentiert in einem tiefdunklen Raum. Der schönste Moment der Ausstellung ist es, aus dieser Düsternis in einen hellen Saal zu kommen - und sich umringt zu sehen von Monets Seerosen-Bildern.

Ausstellung zeigt faszinierenden fernen Osten

Der "Sämann bei Sonnenuntergang" von Vincent van Gogh ist im Folkwang-Museum zu sehen.

Eine wirklich sinnliche Ausstellung ist dem Essener Folkwang-Museum mit seiner neuen Schau „Monet, Gauguin, van Gogh ... Inspiration Japan“ gelungen. Wer möchte, kann also nur tief in die Schönheit der französischen Kunst eintauchen – etwa in Monets Seerosenteich von Giverney, von dem es allein sechs wunderschöne Ansichten gibt. Aber die Schau, die ab Samstag auf 1400 Quadratmetern zu sehen ist, bietet und fordert weit mehr. „Sie soll Wissen vermitteln, sie soll Zusammenhänge sichtbar machen“, sagte gestern Museumsleiter Tobia Bezzola. Fast 400 europäische und fernöstliche Exponate beweisen, wie die Japan-Mode, der „Japonisme“, zwischen 1860 und 1910 in Frankreich Furore machte. Die gehobene Gesellschaft holte sich Wandteller, Bildrollen oder gewaltige Blumenständer – etwa die „Jardiniere“ von Édouard Lièvre – ins Haus. Das Gemälde „Die japanische Maske“ (1874) von Alfred Stevens zeigt nicht ohne Humor, wie zwei junge Damen im Ballkleid eine groteske Männermaske studieren – und zwar mäßig interessiert.

Die Künstler dagegen begeisterten sich regelrecht für die Farbholzschnitte aus Fernost mit den klaren Linien, den unnatürlichen Farben, den starken Diagonalen und der bizarren Natur. Schiefe Kiefern, wohin man schaut! „Das Leben in seiner Schlichtheit“, lobte Claude Monet.  Die sanft geschwungenen Frauenfiguren regten Van Gogh dann auch gleich 1887 zu einer „Japonaiserie“, dem Gemälde einer Kurtisane nach einem Vorbild von Keisa Eisen, an. Sein „Sämann bei Sonnenuntergang“ (1888) wirkt nicht nur durch die untergehende Sonne, sondern auch durch einen bizarren Baum wie die Essenz des Japonisme. Karl-Ernst Osthaus, der Gründer des Folkwang-Museums, war ebenfalls fasziniert von Japan. Dem Sammler ist es zu verdanken, dass diese Schau so viele Kostbarkeiten dieser ästhetisch strengen Kultur bereithält: Siegeldöschen und Teeschalen sowie Holzschnitte von Utamaro, Hiroshige und Hokusai, dessen berühmte „Welle“ nicht fehlen darf. Damit gelingen der Kuratorin Sandra Gianfreda die überzeugendsten Vergleiche. Wie die Gischt auf der Meereswoge tanzt, haben Claude Monet und Gustave Courbet eindeutig bei Hokusai abgeschaut.

Henri de Toulouse-Lautrec ließ sich von den „Bildern der fließenden Welt“ – so hießen die heiteren Holzschnitte der Edo-Zeit (1603-1886) – für seine Plakate für die Pariser Halbwelt inspirieren. Aber auch ein Gemälde von Edgar Degas, bei dem die Tänzerinnen eine leere Bühne umringen, wäre wohl ohne das „verinnerlichte Japan“ – so eine der zwölf Kapitelüberschriften – kaum denkbar. Sogar Picasso hat sich bei den Japanern bedient. Er studierte die erotischen Shunga-Drucke. Vorbilder und Nachschöpfungen sind dezent hinter einer Wand (mit Warnhinweis) verborgen und zeigen erstaunlich monumentale Dinge. 

Bis 18. Januar


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