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Bedrohte Architektur: Christus-König-Kirche in Gelsenkirchen wird abgerissen

GELSENKIRCHEN Das Grundstück der Christus-König-Kirche ist verkauft worden, die Gemeinde in Gelsenkirchen-Buer hat sich aufgelöst. Jetzt geht es dem einstigen Gotteshaus ans Gemäuer. Hier findet keine der vielbeschworenen Umnutzungen statt. Diese heilige Halle wird fallen, ein Schicksal, das auch andere Gotteshäuser im Bistum Essen ereilt.

von Von Michael Billig

, 13.08.2008
Bedrohte Architektur: Christus-König-Kirche in Gelsenkirchen wird abgerissen

Blick in den leeren Saal des ehemaligen Gotteshauses.

Die 1953/54 erbaute Christus-König-Kirche sieht von außen älter aus. Sie gilt als wichtiges Zeugnis der Nachkriegszeit, in der man kurioserweise zunächst eine romanische Bauweise bevorzugte.

Marion Niemeyer-Tewes liefert dafür die Erklärung. "Die Kirche sollte auch als Kirche erkennbar sein", sagt die Kunsthistorikerin des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege. Der Architekt Otto Bongartz hielt sich an dieses doch etwas konservative Konzept, was der Christus-König-Kirche ein halbes Jahrhundert später zum Verhängnis wird.Deprimierende Stille

Es herrscht absolute Ruhe in diesem einstigen Sakralbau. Es ist nicht diese andächtige, mancherorts mystische Stille. Vielmehr hat sich eine deprimierende Leere ausgebreitet. Vom Eingang her erstreckt sich ein großer weißer Saal. Das Gestühl ist verschwunden. Auf dem nackten Boden flirren ein paar Sonnenstrahlen, die sich durch die Oberlichter ihren Weg bahnen. In ihrer ganzen Schlichtheit verkörpert die Christus-König-Kirche zumindest innen ein modernes Kirchenkonzept. Die bunten Glasfenster, der Altartisch aus Marmor und dahinter die Darstellung des Heilands in der Apsis des Gotteshauses fallen zwar auf, sind aber kein Prunk. Einzig die Kassettendecke aus Holz will nicht so ganz ins neuzeitliche Bild passen. Denkmalwürdig sieht sie aber nicht aus. Das trifft auch auf den Kirchturm zu, der ganz und gar nicht romanisch daher kommt. Er steht neben dem Haupthaus, ist mit ihm durch einen Gang verbunden. "Kann sein, dass er später gebaut wurde", sagt Niemeyer-Tewes. Nur ein Wunder hätte das Gebäude retten können

Doch ob später oder früher - auch die Vermutung, der berühmte Kirchenbaumeister Dominikus Böhm habe schon 1939 einen Entwurf für diese Kirche gemacht, wird sie nicht mehr vor dem Abbruch retten. Da hätte längst ein Wunder geschehen müssen.Der Beitrag ist Teil der Ruhrnachrichten-Serie "Bedrohte Architektur".