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Bedrohte Architektur: Schürmann-Bau des Städtetages ist abgeschrieben

KÖLN Die Erde ist mit Efeu bewachsen, dessen Blattspitzen von außen sanft an der Scheibe kratzen. Das Grün geht auf der anderen Seite der Fensterfassade in Anröchter Dolomit über. Aus diesem Gestein ist der Boden des Foyers. Es fügt sich wie das gesamte Bürohaus nahtlos in die umgebende Parklandschaft ein.

von Von Michael Billig

, 05.08.2008

Dieses Bauwerk des Architektenpaares Margot und Joachim Schürmann aus dem Jahr 1973 steht in der Kölner Lindenallee - noch. Noch hat der Deutsche Städtetag dort inmitten der Wohn- und Villengegend Marienburg eine Geschäftsstelle. Aber der Abriss naht.

Die Büros mit rund 150 Arbeitsplätzen befinden sich in den oberen Etagen. Je höher, desto kleiner ist die Grundfläche. Stockwerk um Stockwerk ist gegenüber ausschweifenden Baumkronen zurückgenommen. Die Außenansicht ist der Funktion des Bauwerks entsprechend klar strukturiert. Nach oben hin wechseln sich Aluminiumblenden mit dunklem Fensterglas ab. Auch vertikal ist alles in einem gleichmäßigen Rhythmus abgestimmt.

Riesige Terrassen stehen der Fensterfront vor. Sie sind unbelebt, bieten viel Spielraum zum Gestalten. Doch so gut wie alles an diesem Schürmann-Bau ist, wie die Architekten einst selbst bemerkten, auf das Erleben von Innen nach Außen ausgerichtet.

Das gilt ganz besonders für das Erdgeschoss. Hier befinden sich neben repräsentativen Konferenzräumen auch Möglichkeiten zur Entspannung: eine Caféteria und Sitzgelegenheiten, die an die gute alte Bauhaus-Tradition anknüpfen. Und rundherum Flora in sattem Grün. Ab dem ersten Stockwerk hält sich das Erleben im Haus selbst in Grenzen. Ein Treppengang führt neben dem obligatorischen Fahrstuhl aufwärts. Hier dominieren kalter Sichtbeton und wie Rohre anmutende Metallgeländer.

Ein breiter Flur, von Aktenschränken eingenommen, teilt jeweils die Etagen. Links und rechts reihen sich in Parzellen die Büros aneinander. Heizkörper sind flach über den braunen Nadelfilzboden installiert, stören so kein bisschen den Blick durch raumhohe Fenster. Die Aussicht ist gut, die Aussichten fürs Haus sind ganz schlecht.Für den Abriss ... ... haben sich Lokalpolitik und Verwaltung in Köln entschieden. Sie unterstützen damit die Pläne des neuen Eigentümers, in Wohnungen zu investieren. Über einen genauen Zeitpunkt sei sie nicht informiert, sagt Renate Kaymer, seit 2006 Stadtkonservatorin in Köln. Das Verfahren laufe. Sie wolle auch nicht an der Abriss-Entscheidung rütteln, die bereits ein Jahr vor ihrem Amtsantritt gefällt wurde.Für den Erhalt ... ... plädierte Ulrich Krings. Krings hat sich in seiner Zeit als Kölner Stadtkonservator dafür eingesetzt, dass das Bürohaus unter Denkmalschutz gestellt wird, es stehe für die Architektur der 70er Jahre. Heute schlägt er Umnutzung vor. „In edles Wohnen im Alter.“ Auch Ursula Kleefisch-Jobst, Leiterin des Museums für Architektur und Ingenieurskunst NRW, beklagt den geplanten Abriss: „Das ist schon ein Verlust.“