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Beermann eröffnet KlassikSommer in Hamm

HAMM Die Erlösung gab es hier gleich mit. Als die Klänge im Nichts erstarben, war es der Schluss einer gar nicht so düsteren neunten Sinfonie von Mahler. Mit ihr eröffneten Frank Beermann und die Nordwestdeutsche Philharmonie den KlassikSommer in Hamm. Wenn nach dem Adagio alle noch ewig gebannt der Stille lauschen, so lange bis der Dirigent die Spannung aufhebt, dann haben die Musiker es geschafft, dann waren sie wirklich gut.

von Von Klaus Lipinski

, 17.08.2008

So war es auch in der Alfred-Fischer-Halle, wo es Beermann gar nicht darum ging, übersteigerte spektakuläre Effekte zu inszenieren. Er suchte nicht die Sichtweise aus dem Beginn des letzten Jahrhunderts, sondern gab Mahler einen Platz in unserer Zeit. Dafür arbeitete er vor allem mit feinen Details. Die Linienführung blieb sachlich, ohne jemals nüchtern zu wirken. Nicht überschwer mit Emotionen behangen, und nicht in jedem Moment vor Tragik ertrinkend. Man mag im Ländler oder der Burleske einiges derber, greller und dämonischer sehen können, aber zwischen den beiden von Lyrik geprägten Ecksätzen ging das formale Konzept trotzdem auf.

Auch weil das in Herford beheimatete Landesorchester mittlerweile ein bemerkenswertes klangliches Niveau erreicht hat. Die Streicher klingen ausgeglichen, manchmal seidig weich. Auf seine Bläser kann Beermann sich verlassen. Denn die Flöten und Oboen phrasierten sehr schön, und in der Balance wird aufmerksam aufeinander gehört. Etwa wenn am Schluss der ersten beiden Sätze die Piccoloflöte sich mit anderen Instrumenten mischte. Von Anfang an gingen Dialogstellen nicht unter, das war einer der Schlüssel zum Erfolg.

Einmal im Jahr überreicht das Orchester seine klangliche Visitenkarte im Ruhrgebiet, wenn Beermann als künstlerischer Leiter des KlassikSommers in Hamm dort selbst dirigiert. Nach dieser Leistung darf man sehr neugierig auf den gemeinsamen "Tristan" am 31. August sein, außerdem spielen im Festival u. a. die beiden Skride-Schwestern.