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Ruhrfestspiele

Begriff „Fringe-Festival“ hat bald ausgedient

BOCHUM Der designierte Intendant Olaf Kröck wird die Ruhrfestspiele verändern. Das Jugendfestival „Fringe“, übersetzt heißt das Fransen, will er ab 2019 aus dem Zelt holen. Wie will Olaf Kröck diese Attraktion zukunftsfest aufstellen? Darüber haben wir mit dem 46-Jährigen Theatermacher gesprochen.

Begriff „Fringe-Festival“ hat bald ausgedient

Olaf Kröck arbeitet schon an seinen Ruhrfestspiel-Plänen für 2019. Foto Knotan

Was hat Sie an der Aufgabe gereizt?

Olaf Kröck: Ich finde Theatermachen in dieser Region unglaublich interessant. Das hat etwas mit dem Publikum zu tun, das ich auf eine sehr angenehme Weise als „unprofessionell“ kunstaffin empfinde. In vielen deutschen Großstädten ist das Publikum mittlerweile in der Hinsicht „professionell“, dass es vor allem aus Kollegen besteht, aus Leuten, die in universitären oder wissenschaftlichen Kontexten arbeiten, oder bildungsbürgerlichen Dauergästen. Hier gibt es noch den unverstellten Blick, Neugierde, Entdeckungslust. Ein anderer Punkt ist, dass ich auch am Stadttheater immer an der Schnittstelle zum freien Theater und festivalartigen Formaten gearbeitet habe.

Allerdings sind die Ruhrfestspiele nicht die Ruhrtriennale – muss man hier konservativer denken?

Die Ruhrfestspiele sind in ihrer Ausrichtung dem Stadttheater sicher oft ähnlich – im Augenblick. Das sind sie in ihrer Geschichte allerdings in unterschiedlicher Weise gewesen, die man vor allem auf einen Punkt bringen kann: Sie sind ein Schauspieler-Festival. Das hat mich gereizt, weil ich den Eindruck habe, dass im internationalen Festivalzirkus der Schauspieler ein wenig in den Hintergrund geraten ist. Was mehr zählt sind Handschriften, Ästhetiken, Genrebezeichnungen oder Zuschreibungen wie „Uraufführungsfestival“.

Wie kann ein Schauspieler-Festival 2019 aussehen?

Ich vertrete natürlich keinen rückwärts gewandten Schauspielerbegriff. Ich rede von Darstellern, die auch Tänzer oder Performer sein können. Heute steht allerdings nicht mehr die Sehnsucht nach Dekonstruktion im Vordergrund, die eine Zeitlang das Performance-Theater bestimmt hat, sondern die Sehnsucht nach Harmonisierung. Damit meine ich keine Schönfärberei, sondern die Suche nach Punkten der Klarheit in einer vielschichtigen Wirklichkeit – das können Schauspieler heute vereinen.

Der Aufsichtsrat wünscht sich für Ihre Nachfolge auf Frank Hoffmanns sehr erfolgreiche Intendanz Kontinuität. Welche Spielräume bleiben?

Das Verhältnis zu den Gesellschaftern ist sehr konstruktiv und ich werde natürlich Veränderungen vornehmen. Tanz kam mir zum Beispiel zu wenig vor und ich finde, das ist eine ungemein anregende Darstellungsform. Mich interessiert die Vermischung von Ästhetiken.

Ich brauche den Begriff „Fringe“ (zu deutsch „Fransen“ - Name des Jugendfestivals der Ruhrfestspiele, d. Red.) nicht als Abgrenzung für zum Beispiel zirzenisches Erzählen oder Physical Theatre. Deshalb muss man diese Formen vielleicht aus dem Zelt rausholen. Der Begriff „Fringe-Festival“ wird also verschwinden, die Inhalte aber nicht.

Was ich in meiner bisherigen Theaterarbeit immer forciert habe, waren Öffnungs- und Teilhabeprozesse. Deshalb will ich ein großes Picknick mit klassischer Musik auf der Wiese am Ruhrfestspielhaus, aber auch andere Spielstätten in der Stadt erschließen.

Der Gründungsmythos der Ruhrfestspiele heißt „Kunst gegen Kohle“. Was bleibt davon übrig, wenn die letzte Zeche geschlossen ist?

Die Kohle spielt für die Gesamtidentität der Region schon lange keine übergeordnete Rolle mehr. Aber die Frage nach den Bedingungen, unter denen Menschen hier leben, welche Bildungsvoraussetzungen sie haben und wie sie teilhaben können an einem kulturellen Großereignis wie den Ruhrfestspielen, die ist relevant. Da können wir Impulse setzen. Da ist es dann wichtig, Schauspieler-Festival auch mit Stars zu sein, aber auch mit kleinen Formen in die Stadt zu gehen.

Bei welchen Stars haben Sie schon angeklopft?

Ich habe bei einer kleinen Gruppe von sehr bekannten deutschsprachigen Schauspiel-Stars angeklopft und bin in sehr konkreten Gesprächen. Ich kann noch keine Namen nennen, aber das sind zum Teil unsere Frauen und Männer für Hollywood.

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