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Kein Herz und eine Krone

Bochum eröffnet die Spielzeit mit "König Richard der Dritte"

BOCHUM. Der erste Monolog gehört nicht Richard III., sondern Heinrich VI.. Indem Roger Vontobel die Vorgeschichte der Rosenkriege mit auf die Bühne des Bochumer Schauspielhauses bringt, geht er der Psychologie dieser vielleicht bösartigsten Figur Shakespeares auf den Grund.

Bochum eröffnet die Spielzeit mit "König Richard der Dritte"

Der preisgekrönte Theaterstar Paul Herwig spielt Shakespeares bösen Richard III.

Und er schafft ihm so mit Margaret eine Gegnerin bis zum Tod. Dies Konzept geht großartig auf und sorgte am Samstag für einen gelungenen Spielzeitauftakt.

Mühelos wird der Zuschauer mitten hinein gezogen in das tödliche Spiel um Macht und Politik. Noch drückt sich Richard am Rande herum, beobachtend - und schon von Hass erfüllt.Seelische Deformierung Paul Herwigs Richard braucht keinen Buckel, kein Humpeln. Seine Deformierungen sind seelischer Natur. Liebesunfähig ist er, ohne jede Empathie. "Ich bin ich selbst allein", sagt er.  

Dann folgt Mord auf Mord. König und Thronfolger zuerst, schließlich die eigenen Brüder, die Neffen, Weggefährten. Alles für die Königskrone.Gräultaten als Videobilder Herwigs Richard, der auch mal mit eindrucksvollem Schlagzeugspiel den Takt vorgibt, blickt kühl auf seine Mitmenschen. Und manchmal scheint es, als widere es ihn an, wie mühelos er sie für seine Zwecke benutzen kann.

Vontobel zeigt die Gräueltaten als Videobilder, die wie die musikalischen Klangteppiche von Keith O'Brien unter die Haut gehen. Stephan Komitsch hat sie mit der Handkamera in den Foyers und Gängen des Schauspielhauses gefilmt. Riesengroß werden sie auf die Bühnenwände projiziert. Diese sind genauso holzvertäfelt wie der Zuschauerraum.

Wir Zuschauer als Teil dieser Gesellschaft, das vermittelt Vontobel auch, wenn er die Schauspieler in den oberen Foyers oder vom Balkon herab agieren lässt.

Ein riesiges Ensemble hat er zur Verfügung. Und ein großartiges - von Roland Riebelings Heinrich VI., den York-Brüdern Felix Rech und Florian Lange über die Königin Elisabeth von Therese Dörr bis hin zu den Nebenrollen wie den drei Lords Michael Schütz, Martin Horn und Jürgen Hartmann.Machtgierige Königin

Indem Vontobel die Königsdramen zusammenzieht, gibt er außerdem der Rolle der Margaret mehr Raum. Jana Schulz spielt sie mit großer körperlicher Präsenz erst als machtgierige Königin, dann als Untergrundkämpferin, die rasend die Bühne stürmt.

Am Ende des knapp vierstündigen Theaterabend, wenn die Toten wie Zombies erscheinen und Richard unter sich begraben, lässt sie sich den Königsmantel umhängen. Die blutende Wunde an der Schläfe weist daraufhin: "Des dauerhaften Glücks Beginn" ist das nicht.

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