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Bridget Breiner bringt das Ballett nach vorn

Das Interview

Seit vier Jahren ist die Amerikanerin Bridget Breiner Ballettdirektorin am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Ihre Arbeit findet weit über die Region hinaus Beachtung. 2013 und 2015 bekam sie den deutschen Theaterpreis "Der Faust". Nun choreografiert sie zum ersten Mal für die Ruhrfestspiele.

01.06.2016
Bridget Breiner bringt das Ballett nach vorn

MiR-Ballettdirektorin Bridget Breiner

Das Ballett "Prosperos Insel" nach Shakespeares "Sturm" wird am Samstag (4.6.) bei den Ruhrfestspielen im Theater Marl uraufgeführt. Bernd Aulich hat mit Bridget Breiner über ihre Erfolge und ihr neues Ballett gesprochen.

"Wenn ich tanze, brenne ich", haben Sie gesagt, als Sie 2012 Ihr Engagement als Ballettdirektorin am Musiktheater im Revier antraten. Gilt das noch immer? Ich sehe es als ein Geschenk für mich, dass ich noch tanze. Im Moment beeinflusst es auch meine Choreografien sehr, dass ich mich noch als Tänzerin erlebe.

Gibt es Traumrollen, die Sie noch nicht getanzt haben und die Sie jetzt in eigenen Choreografien tanzen könnten? Ich wollte einmal "La voix humaine" mit einer Sängerin tanzen. Aber ich würde gerne noch mit einigen Choreografen arbeiten. Mats Ek hört auf. Das kann ich nicht mehr. Aber ich würde gerne noch mal mit John Neumeier oder der jungen Kanadierin Crystal Pite etwas machen. Und es macht mir viel Spaß, mit Cathy Marston zu arbeiten; wir denken sehr ähnlich. Ich finde es schwer, für meinen eigenen Körper eine Rolle zu kreieren. Ich brauche Distanz. Ich muss das anschauen.

  

Sie sind seit vier Jahren als Ballettdirektorin in Gelsenkirchen und Sie haben eine atemberaubende Erfolgsbilanz hingelegt. Wo ist der Schlüssel für dieses Erfolgsgeheimnis? Ist das nur Disziplin? Es ist Disziplin, natürlich. Aber es ist auch dieses Brennen. Es ist mir auch wichtig, wenn ich die Verantwortung für so viele Tänzer habe. Dann muss es auch etwas werden. Ich denke fast immer zuerst an die Compagnie.

Die Compagnie ist mit 14 Tänzern sehr klein. Die anderen Compagnien in Essen, Dortmund oder Dortmund sind weitaus größer. Ist das ein Hindernis oder eine Chance? Im Moment finde ich das toll. Es ist ein Hindernis, dass es schwierig ist, weiterzuarbeiten, wenn jemand verletzt ist. Ich mag eine kleine Gruppe, weil wir sehr persönlich miteinander arbeiten. Es ist schwierig, wenn jemand schlecht drauf ist, dann merken das alle. Das kostet viel Energie. Aber das bringt auch sehr viel.

Ist "Prosperos Insel", Ihre erste Choreografie für die Ruhrfestspiele, Ihre Idee? Oder hat man das an Sie herangetragen? Ich habe ein mediterranes Thema gesucht. Ich bin schon immer durch Shakespeare inspiriert. Ich finde das Stück "Der Sturm" von ihm besonders, weil es merkwürdig ist.

Wie sind Sie auf den "Sturm" gekommen? Das ist ja der schwierigste Shakespeare. Ich denke auch. Wenn man die ganze Geschichte erzählt, ist es kompliziert, und vertanzt ist es wirklich uninteressant.

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Konzentrieren Sie sich auf ganz bestimmte Aspekte? Ja. Wenn man Verfilmungen anschaut, fällt auf, wie unterschiedlich sie sind. Was für ein Mensch ist Caliban, was für ein Wesen ist Ariel? Das hat mich ermutigt, meine eigene Version zu erzählen. Was mich daran interessiert, ist das Spiel um die Macht. Die Charaktere sind zunächst einmal Archetypen. Aber sie bleiben keine Archetypen.

Peter Greenaway hat den "Sturm" unter dem Titel "Prosperos Bücher" verfilmt und Magie und Zauberwelt herausgekehrt. Reizt Sie das auch? Gar nicht. Das interessiert mich am wenigsten. Was mich interessiert, sind die Menschen. Wie sie miteinander agieren und reagieren. Die Magie in dem Stück ist nicht unbedingt eine Zauberkraft. Manchmal ist es einfach eine menschliche Kraft. Ich erzähle schon, dass Prospero Rache sucht. Aber für den Tanz ist die Handlung nicht spannend. Mich interessiert die Beziehung zwischen Caliban und Prospero. Ich möchte Caliban nicht als Monster zeigen, sondern als Menschen, der sich als Monster fühlt, weil er so behandelt wird.

Welche Rolle spielt Ariel, der Windgeist, bei Ihnen? Ariel ist ein Teil der Natur. Er hat viel mehr Kraft als Prospero. Ich frage mich, warum er Prospero dient.

Shakespeare zeigt alle Formen der Niedertracht, Intrigen noch und noch. Doch plötzlich löst sich alles im Happy End auf. Steht bei Ihnen am Ende Wohlgefallen? Der "Sturm" ist eine tragische Komödie und eine komische Tragödie.

Wie kommen Sie auf Frank Martins "Songs of Ariel", die der Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund singen wird? Ich fand die Idee, mit einem Chor zu arbeiten, so toll.

Termine "Prosperos Insel": 4.-6.6. bei den im Theater Marl und ab 8.10. wieder im Großen Haus des Musiktheaters im Revier.