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Konzerthaus Dortmund

Buchbinders Beethoven ist das pure Glück

DORTMUND Das, was Bach für Glenn Gould war, ist Beethoven für Rudolf Buchbinder. Keiner spielt ehrlicher, genauer, geistreicher und durchdachter Beethoven als der 67-jährige Österreicher. Am Donnerstag fesselte er das Publikum im Konzerthaus Dortmund mit zwei Sonaten von Beethoven und der letzten Schubert-Sonate.

Buchbinders Beethoven ist das pure Glück

Buchbinder ist jegliche Show am Klavier fremd, dafür zieht er das Publikum umso tiefer hinein in die Musik. Wohltuend ruhig und unaufgeregt breitete er einen Klangkosmos aus, den er sich im jahrzehntelangen Studium der Urtextausgaben erarbeitet hat.

Der Pianist sammelt Ausgaben der Beethoven-Sonaten und kennt alle Fingersätze und Artikulationsanweisungen der Erstausgaben. Und Beethovens Tempi.

Rasend schnell sind die in den Finalsätzen - auch in der zehnten Sonate und der "Appassionata", die er in Dortmund spielte. Zwei Sonaten in 40 Minuten schafft nicht jeder Pianist. Erst recht nicht, wenn er wie Buchbinder langsame Sätze wie versunkenes Glück klingen und sanft fließen lässt.Ausgefeilte Übergänge

Tiefe und Gehalt hat Buchbinders Beethoven-Spiel und jede Note eine Bedeutung, es brodelt. Jeder Übergang ist ausgefeilt, und es ist spannungsvoll.

Der Wiener ist Perfektionist. Seine CDs nimmt er in jüngster Zeit am liebsten in Live-Konzerten auf. Alle drei Sonaten im Konzerthaus hätte man auf eine CD pressen können - wenn es weniger Dauerhuster im Publikum gegeben hätte.Himmlischen Längen

Und auch Buchbinders Interpretation der letzten Schubert-Sonate war ein Ereignis. Da hörte man in himmlischen Längen die Entwicklung von Melodien, die liedhaft, aber nicht zu lyrisch klangen. Da leitete ein delikat herausgeputztes Scherzo ein Finale ein, mit dem der Pianist einen Eleganz-Preis hätte gewinnen können. Klug klang das und spannungsvoll. Ebenso wie das Schubert-Impromptu als Zugabe, das keine pure Träumerei war, sondern ein gehaltvolles Lied ohne Worte.

 

 

 

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