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Ausstellung in Wuppertal

Camille Pissarro - einst ausgelacht, heute verehrt

Wuppertal Stets litt er unter finanzieller Not. Kritiker machten sich einst über ihn lustig. Heute gilt Camille Pissarro jedoch als Vater des Impressionismus. „Ohne ihn hätte es diese Bewegung nicht gegeben“, sagt Gerhard Finckh, Direktor des Von der Heydt-Museums in Wuppertal. Ab Dienstag, 14. Oktober, steht der lange unterschätzte Künstler im Mittelpunkt einer Ausstellung des Museums.

Camille Pissarro - einst ausgelacht, heute verehrt

Camille Pissarro in seinem Atelier in Eragny.

Insgesamt wurden 170 Werke von Privatpersonen, Galerien sowie Museen – etwa vom Metropolitan Museum of Art in New York oder der National Gallery in London – für die Ausstellung „Pissarro. Vater des Impressionismus“ ausgeliehen. „Jedoch nicht nur von Pissarro selber, sondern auch viele Werke seiner Künstlerfreunde werden gezeigt“, so der Direktor. Der Überblick soll verdeutlichen, wie sich die Maler dieser Zeit (Pissarro lebte von 1830 bis 1903) gegenseitig beflügelten.

Ausstellung Camille Pissarro

Das Selbtsbildnis des Künstlers entstand im Jahr 1903.
Der Rundgang durch das Museum beginnt mit Pissarros ersten Bildern während der gemeinsamen Zeit mit dem dänischen Maler Fritz Melbye in Venezuela, wie Direktor Gerhard Finckh erklärte.
Zu den frühen Werken zählt das Gemälde "Zwei Frauen am Meer ins Gespräch vertieft, St. Thomas" aus dem Jahr 1856.
Eine Besucherin im Museum. Im Vordergrund hängt das Bild "Zwei Frauen am Meer" von Camille Pissaro.
Auch viele  Werke von Pissarros Künstlerfreunden werden gezeigt. Der Überblick soll verdeutlichen, wie sich die Maler dieser Zeit gegenseitig beflügelten.
Licht und Atmosphäre spielten für ihn eine besondere Rolle: In seiner "Schneelandschaft in Louveciennes" (1872) hielt Pissarro ein winterliches Spiel aus zartem Licht und hartem Schatten auf Schnee fest.
Stillleben spielten bei Pissarro eine nur untergeordnete Rolle. Der Maler zog es vor, in der freien Natur zu malen. Einige seiner wenigen Blumenstillleben konnten für die Ausstellung jedoch gewonnen werden, wie der "Pfingstrosenstrauß" von 1973.
Das Gemälde "Küchengarten in l'Hermitage, Pontoise" entstand 1874, in der Zeit nach Pissarros Rückkehr aus London, die er unter anderem in Pontoise vebrachte. Die 1870er Jahren gelten für ihn als besonders produktive Zeit: Denn viele seiner Bilder, die er im Krieg zurück lassen musste, wurden von Soldaten zerstört.
Eine Museumsmitarbeiterin sitzt  vor den Bildern "Küchengarten in l'Hermitage, Pontoise" und  "Der große Birnbaum in Monftfoucault".
Viele Bilder von der freien Natur gehören zu dem Werk von Pissarro, wie "Der große Birnbaum in Montfoucault" aus dem Jahr 1876.
Eine Museumsmitarbeiterin betrachtet im Von-der-Heydt-Museum das Gemälde "Madame Pissarro näht am Fenster". Es gehört zu der Reihe "Menschen in Pissarros Umfeld".
In den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden viele Bilder, die Menschen in Pissarros Umfeld zum Thema hatten. Die "Bäuerin mit Kuh, Osny" (1883) ist ein Beispiel dafür.
Für den Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums, Gerhard Finckh, ist das Bild "Bauernmädchen mit Strohhut" (1881) eines der Höhepunkte der Ausstellung. Pissarro wählte als Motiv für seine Arbeiten oft die einfachen Menschen, die alle versunken zu sein schienen in das, was sie gerade taten.
Direktor Gerhard Finckh erklärte, dass sich Pissarro Mitte der 1880er Jahre temporär dem Pointillismus zuwandte. Im Laufe der Zeit empfand er diesen Stil jedoch als einengend und widmete sich wieder seinem freieren Impressionismus, den er als lebendiger empfand.
In den 1890er Jahren entstanden nach der Zuwendung zum feieren Impressionismus unter anderem Landschaftsbilder, wie der "Herbstmorgen in Eragny" (1892).
Direktor Gerhard Finckh skizzierte Raum für Raum nicht nur Pissarros künstlerische Entwicklung, sondern auch seinen persönlichen Lebensweg.
Zwei Museumsmitarbeiterinnen stehen  vor dem Gemälde "Sonnenaufgang in Bazincourt im Februar" von Camille Pissaro.
Die Werke im letzten Raum markieren die spät-impressionistische Phase von Pissarros letzten Lebensjahren. Es entstanden diverse Stadtporträts. Vor allem das durch den großen Umbau modernisierte Paris bot immer neue Motive, die das urbane Leben als Ausdruck der Moderne einfingen.
Zu den Stadtporträts gehören auch Bilder aus Rouen, wie "Aufsteigender Rauch an der Pont Boieldieu in Rouen" (1896).
In seiner spät-impressionistischen Phase malte Pissarro viele Städteporträts, wie "Die Avenue de l'Opéra oder Place du
Théâtre Français" (1898).
Pissarro in seinem Atelier in Eragny. Er entsprach der Mode der Zeit mit seinem mächtigen Rauschebart.

So sind unter anderem Werke von Claude Monet, Paul Cézanne sowie Alfred Sisley zu sehen. Gerhard Finckh: „Pissarro war rund zehn Jahre älter als seine Freunde, der Altersunterschied führte jedoch nicht zu einem Lehrer-Schüler-Verhältnis.“ Der enge Kontakt habe vielmehr zu einem Geben und Nehmen sowie einem Prüfen und Verwerten von Ideen geführt.

Der Vergleich zwischen den Künstlern zieht sich dabei durch elf Räume des Museums und zeichnet die künstlerische Entwicklung Pissarros nach. Der Rundgang beginnt mit seinen ersten Bildern, die während der gemeinsamen Zeit mit dem dänischen Maler Fritz Melbye in Venezuela entstanden, und endet im letzten Raum mit Stadtporträts. Vor allem das durch den großen Umbau modernisierte Paris interessierte Pissarro. Der Maler, der auf einer dänischen Antilleninsel in der Karibik geboren wurde, besuchte bereits in seiner Jugend ein Internat in Paris und kehrte später immer wieder in die Großstadt zurück. Auch seine ersten französischen Landschaftsbilder entstanden in der Umgebung.

Besonders häufig widmete sich der Künstler in seinen Werken aber auch den einfachen Menschen. Wanderer bei der Rast, ein Bauernmädchen mit Strohhut oder Passanten auf einer winterlichen Straße sind Beispiele dafür. Äußerst realistisch stellte er auch die harte Arbeit der Menschen dar. „Diese Bilder, etwa von Bauern auf dem Feld, zeigen vor allem das soziale Interesse Pissarros und sind fast schon dokumentarisch“, so Finckh. Der Rundgang durch das Museum zeichnet daher nicht nur die künstlerische Entwicklung Pissarros nach, sondern auch seinen persönlichen Lebensweg. Texttafeln in den übersichtlich gestalteten und luftigen Räumen geben so interessante Einblicke über die Leinwände und Pinselstriche hinaus.

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