Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Cello brummte ganz ohne Bogen

ISEA-festival

DORTMUND. Abgedunkeltes Licht, Elektronik auf der Bühne, Besucher mit Festival-Pässen um den Hals, man spricht Englisch. Im Konzerthaus Dortmund sind beim ISEA-Festival bis Freitag die Anhänger elektronischer Musik unter sich, sie kommen auch aus Übersee. Und je experimenteller die Musik ist, desto besser offenbar.

von Von Julia Gaß

, 25.08.2010
Cello brummte ganz ohne Bogen

Cellistin Hildur Guðnadóttir spielte bei ISEA.

Der japanische Pianist Keiichiro Shibuya war beim Auftaktkonzert am Dienstag schon fast zu konservativ. Viel nach Impressionismus klang das, was er dem Flügel, dessen neu abgemischten Echoklängen und dem Laptop auf dem Schemel entlockte. Obertonreiche, farbige Musik mit viel Hall war das im ersten seiner "Für Maria"-Stücke.Klänge aus dem Labor Danach aber auch statische Musik mit Passagen, die beinahe nach Klavier pur, mit viel rechtem Pedal gespielt, klangen. Dazwischen - während das Publikum rein- und rauswanderte in den Saal - gab es auch von Rauschen begleitete Klänge aus dem Labor, die sich so anhörten, als höre man Klaviermusik mit schlechtem Radioempfang. Den ersten Teil des Abends bestritt die isländische Cellistin Hildur Guðnadóttir. Halldorophon hieß ihr Instrument, ein elektronisches Cello, das an eine Gambe erinnerte und dem sie ein kleines Werk entlockte, für das sie noch nicht einmal mit dem Bogen die Saiten berühren musste. Nur durch Drehen des Instruments und ein paar Griffe entstand das meditative Brummen.Meditativer Ausklang 700 Jahre alte isländische Hymnen folgten, dann begleitete die Cellistin sich selbst mit Echo-Rhythmen. - Interessant, aber Ähnliches hat man im Konzerthaus auch schon vom "Jungen Wilden" finnischen Geiger Pekka Kuusisto gehört. Nur besser und innovativer. Eine Sol Gabetta ist Hildur Guðnadótti nicht. Auf den schönen Ton legt sie nicht den größten Wert. Auch nicht im Duo am Schluss mit Shibuya, einem meditativen Ausklang.