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Christof Schläger sucht nach Klängen

Flottmann-Hallen Herne

Kahle weiße Wände und grauer Betonboden zieren den großen Raum – kühl wirkt die Atmosphäre, die jedoch von futuristisch wirkenden Objekten wie aufgehoben scheint. Doch in den Flottmannhallen in Herne soll vor allem mit der Ausstellung "Urbane Rituale" akustisch etwas geboten werden. Christof Schläger macht dies mit seinen Klangskulpturen möglich.

HERNE

, 18.11.2014
Christof Schläger sucht nach Klängen

Christof Schläger sucht im modernen Leben nach ursprünglichen Klängen. Das Ergebnis: Über tausend klingende Apparate, zusammengefasst zu instrumentalen Klanskulpturen, die er in den Flottmann-Hallen in Herne präsentiert.

Diese bestehen etwa aus Nähmaschinenmotoren, Heizungsventilen oder Magneten von Spinnereimaschinen und ergeben am Ende mit noch vielen weiteren klingenden Apparaten kleine Kompositionen.

Das Material dafür entdeckt Christof Schläger meist zufällig, bezeichnet es als Kunst des Aufspürens: „Mir ist irgendwann bewusst geworden, in was für einer von Geräuschen durchtränkten Welt wir leben. Ich verstand das Grundrauschen der Stadt und suche seitdem nach ursprünglichen Klängen.“

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Urbane Rituale

Christof Schläger sucht nach ursprünglichen Klängen und hört sie oft aus Maschinen heraus. Er lokalisiert sie, verstärkt ihre Wirkung und schafft schließlich mit noch weiteren Materialien Klangskulpturen. Das Ergebnis präsentiert er in den Flottmann-Hallen in Herne.
18.11.2014
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600 Türklingeln hat Christof Schläger in dieser Skulptur verarbeitet.© Foto: Lydia Klehn
Mehrere Bögen zum Durchgehen ziehen in der Halle die Blicke auf sich. Verarbeitet wurden hier unter anderem Motoren aus Nähmaschinen.© Foto: Lydia Klehn
Jede Skulptur besteht aus vielen Einzelteilen.© Foto: Lydia Klehn
Hier wurden Magnete aus elektrischen Schreibmaschinen verwendet.© Foto: Lydia Klehn
Christof Schläger baut die Objekte in einer Maschinenhalle in Herne.© Foto: Lydia Klehn
Die ersten Klangskulpturen des Künstlers entstanden bereits in den 1980er Jahren.© Foto: Lydia Klehn
An den roten Selektoren können die Besucher die Kompositionen selber starten.© Foto: Lydia Klehn
Die einzelnen Objekte finden sich überall in der Halle verteilt.© Foto: Lydia Klehn
Die Konstruktion rund um die Türklingeln ist besonders eindrucksvoll.© Foto: Lydia Klehn
Kleinteilig sind die Objekte konstruiert.© Foto: Lydia Klehn
Auch kleine Glöckchen hat der Künstler verwendet.© Foto: Lydia Klehn
Chirstof Schläger sucht nicht nur nach Klängen, sondern auch nach Materialien für seine Objekte.© Foto: Lydia Klehn

Der Künstler erkannte schließlich, dass auch diese Atmosphäre Qualitäten in sich birgt und nur das klangliche vom Lärm gelöst werden muss. „Wenn ich ein interessantes Geräusch wahrnehme, etwa in lauten Maschinen, dann muss ich zunächst den interessanten Klang lokalisieren, dann isolieren und später kräftiger machen. Ich löse also Maschinen aus ihrer eigentlichen Funktion heraus“, so Schläger.

Beim Bau der Skulpturen ist dann die richtige Anordnung von Bedeutung; später entstehen mit Hilfe einer Programmierung am Computer und einem Keyboard kleine musikalische Stücke.  Zwölf davon können die Besucher der Flottmann-Hallen zu Gehör bekommen – und sogar selbst bedienen. An drei Stationen dürfen die Kompositionen per Knopfdruck eigenhändig gestartet werden, die eine Länge von 30 Sekunden bis zwei Minuten aufweisen. „Also nicht nur ein Hör- und Seherlebnis, sondern auch etwas zum Mitmachen“, findet Ausstellungsleiterin Jutta Laurinat.

Beim Starten der Klangskulpturen passiert dann allerhand – mal mehr und mal weniger sichtbar: So stimmen etwa 600 Türklingeln eine Melodie an. Viele Materialien fanden dafür Verwendung, an die nach Christof Schläger teilweise nur scher ranzukommen ist: „Manchmal haben Firmen durch eine Überproduktion Materialien übrig, die ich bekommen kann. Oder ich wende mich direkt an die Hersteller. Viele Industriefirmen sind heutzutage sehr offen für Kunst.“

Verarbeitet werden diese – wie er selber sagt – „ursprünglichen Klänge“ der einzelnen Teile zu einer akustischen Landschaft in seiner Werkstatt, einer Maschinenhalle in Herne. „Sozusagen ein Heimspiel“, sagt Jutta Laurinat über die erste Einzelausstellung des Künstlers mit seinen Klangskulpturen in den Flottmann Hallen. Ein Konzert am 7. Dezember soll die Ausstellung noch ergänzen.

Christof Schläger wurde in 1958 in Beuthen (Oberschlesien) geboren.
Er studierte Verfahrenstechnik und Bauingenieurswesen.
Erste Klangperformances entstanden Anfang der 1980er Jahre.
Er initiierte den Kunst-Wald Park in Herne und nahm schon an vielen multimedialen Aktionen, Konzerten und Festivals teil.
Als freischaffender Künstler lebt und arbeitet Christof Schläger in Herne und Amstelveen.