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Interview

Comiczeichner Jamiri über erfüllte Jugendträume und seine Sicht auf die Branche

ESSEN. Was fragt man jemanden, über den man schon alles zu wissen glaubt? Jan Michael Richter (44), besser bekannt als "Jamiri", ist Comiczeichner. Die meisten Bild-Geschichten zeigen ihn und sein Leben, inklusive Ehefrau Beate. In seiner Heimat Essen sprach er mit Reporter Felix Guth.

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Der Comiczeichner Jan-Michael Richter aus Essen.

Sie sind Comiczeichner. Und was machen Sie beruflich?

Ach ja, ein ganz alter Witz, der mir immer noch ständig begegnet.

Sollte nur ein Spaß sein. In Wahrheit leben Sie doch den Traum vieler Jungen. Auch Ihren?

Natürlich war das alles schon als Jugendlicher ein Wunsch, aber eher so eine pubertäre Spinnerei. Ich war der beste Zeichner in der Klasse, mein erstes Comic-Album hat mein Vater auf der Arbeit fotokopiert. Es gab keinen festen Plan. Ich hatte zwar Vorbilder, bin aber selbst kein besonders großer Comic-Fan. Dass es wirklich geklappt hat, ist sensationell.

Wann haben Sie gemerkt, dass sich mit Comics Geld verdienen lässt?

Das ging fließend ineinander über. Irgendwann fand der "Marabo" meine Sachen gut, es gab das erste Geld, ich wurde in Farbe gedruckt. Dadurch bin ich zum "pawlowschen Comiczeichner" geworden. Denn wenn man für etwas Applaus bekommt, macht man es nochmal. Als ich dann in "Unicum" mit einer Auflage von 600 000 erschienen bin, ging es schnell.

Wie viel ist heute Leidenschaft, wie viel professionelle Routine?

Es gibt nichts Schöneres, als zu wissen, dass die nächste Pointe zu deinen besten gehört. Für diese Erfolgserlebnisse lohnt es sich. Aber ich denke natürlich auch automatisch in dem Format, in dem meine Geschichten erscheinen.

Sie haben elf Alben veröffentlicht. Ist das auch ein Blick auf die persönliche Entwicklung?

Es ergibt sich ein Plot, weil ich aus meinem Leben erzähle. Ich habe mich über die Jahre vor den Augen aller entwickelt, ohne die ganze Zeit das Steuer fest in der Hand zu halten. Doch das Lernen hört nicht auf. Mir ist aber auch klar: Zu den jungen Lesern, die mit Mangas aufgewachsen sind, habe ich keinen Zugang mehr. Mein Publikum wird mit mir gemeinsam älter.

Wie arbeitet ein Zeichner heute?

Komplett digital. Es ist Jahre her, seit ich das letzte Mal richtig auf Papier gearbeitet habe. Alles läuft mit digitalen Stiften und Grafik-Tablets. Der Rechner ist wie früher der Aquarell-Kasten.

Welche Folgen hat das für die Arbeit?

Ich halte das für eine Befreiung von Ideen. Was einem einfällt, ist sofort umsetzbar. Ob jemand bildnerisches Vermögen hat, sieht man aber sofort.

Wie ist es aus Ihrer Sicht aktuell um die Comic-Branche bestellt?

Comics werden immer noch als Kunst zweiter Klasse gesehen. Verlage dünnen ihr Programm aus, haben keine Geduld mehr. Aber das liegt nicht an der Kunstform selbst. Die Zeichner haben in Deutschland eben nicht den Stellenwert wie in Frankreich, Belgien oder Japan. Von den Alben allein könnte ich nie und nimmer leben.

Andererseits sind Comic-Besprechungen immer häufiger in den großen Feuilletons zu finden ...

Tatsächlich ist es eher besser geworden. Aber es bleibt auf ernsthafte Themen wie Geschichtliches beschränkt.

Was muss passieren, damit die Kunstform mehr Anerkennung erhält?

Zeitungen und Zeitschriften müssen sich mehr öffnen, das Bewusstsein für Qualität wieder entdecken. Und für nachwachsende Künstler gilt: Gute Ideen dürfen nicht in der Schublade verschwinden.

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Der Comiczeichner Jan-Michael Richter aus Essen.

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