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Das Buch „Feuer und Zorn“ lüftet Geheimnis um Trumps Frisur

Auf Deutsch erschienen

Mit einer Auflage von 300.000 Exemplaren ist das Buch „Feuer und Zorn“ von Michael Wolff auf Deutsch erschienen. Es lüftet nicht nur, aber auch das Geheimnis um die Frisur des US-Präsidenten.

HAMBURG

, 16.02.2018
Das Buch „Feuer und Zorn“ lüftet Geheimnis um Trumps Frisur

Zwei Druckereien produzierten die Startauflage des Buches „Feuer und Zorn“ in höchster Eile. Foto: dpa

Natürlich ist das längst nicht alles, was dieses Buch ausmacht. Aber zugegeben, mit einem gewissen Interesse liest man schon, was seine Tochter Ivanka über die skurrile Haarpracht ihres Vaters erzählt.

Demnach hat US-Präsident Donald Trump eine kahle Stelle – seit einer chirurgischen Kopfhautstraffung eine klar begrenzte Insel, die von einem Haarkranz umgeben ist, dessen Enden in der Mitte zusammengeführt, dann zurückgekämmt und mit Haarspray fixiert werden. „Die Farbe, so erklärte sie ihren lachenden Zuhörern, stammte von einem Produkt namens Just for Men. Je länger man es einwirken ließ, desto dunkler wurde es. Trumps orange-blonde Haarfarbe war das Ergebnis seiner Ungeduld.“ So steht es in „Feuer und Zorn“, dem Enthüllungsbuch über die Trump-Regierung, das gerade auf Deutsch erschienen ist.


Sieben Übersetzer gingen gleichzeitig ans Werk

Kaum ein anderes Werk dürfte schneller auf den Markt geworfen worden sein. Erst am 6. Januar, dem Erscheinungstag von „Fire and Fury“ in den USA, hatte die Holtzbrinck-Gruppe die Rechte erworben. Sieben Übersetzer nahmen sich die 336 Seiten vor. „Die Übersetzer kannten sich größtenteils schon vorher“, sagte am Freitag Moritz Schuller, Programmleiter des Rowohlt-Verlages, auf Anfrage. „Es gab bereits Abstimmungsprozesse während der Arbeit.“ So konnten sprachliche Brüche vermieden werden in einem Buch, das nun klar wie Kloßbrühe daherkommt, pointiert formuliert und leicht zu lesen ist. „Wir haben das Buch nicht weniger sorgfältig hergestellt als andere, wir haben uns aber sehr beeilt“, berichtete Schuller – „und ja, wir mussten auch an den Wochenende ’ran.“

Etwas Ärger um die Auslieferung in Dortmund

Um die Auslieferung gab es allerdings in Dortmund etwas Ärger. Während die große Mayersche Buchhandlung das Buch frühzeitig bekam und bislang bundesweit 400 (in Dortmund 24) deutsche Ausgaben verkaufte, musste die kleinere Dortmunder Buchhandlung „Transfer“ warten. „Ich habe mich schon beim Verlag beschwert“, sagte Inhaberin Birgit Lange-Grieving am Freitag. „Es müssen alle gleich behandelt werden.“

Das Buch „Feuer und Zorn“ lüftet Geheimnis um Trumps Frisur

Das Cover der deutschen Ausgabe Foto: Rowohlt Verlag

Aber wie gelungen ist „Feuer und Zorn“ nun wirklich? Die 480 Seiten der deutschen Ausgabe lesen sich wie ein Gesellschaftsroman, nur dass hier nach Angaben des Journalisten Wolff alles wirklich geschehen ist. Das Porträt des US-Regierung erscheint dabei nicht nur wie eine fiese Version der TV-Serie „Downtown Abbey“, sondern hat auch deren Schwäche: Wer sich nicht auskennt, wird von der Vielzahl der Personen und Situationen schnell überfordert.

Kasperletheater im Weißen Haus

Insgesamt spielt im Weißen Haus ein Kasperletheater. Aus der Schlüssellochperspektive, die dem Leser wegen teils nicht genannter Quellen etwas unheimlich wird, erleben wir schräge Enthüllungen. Dass die Chefin des Modeblattes „Vogue“, Anna Wintour, zur US-Botschafterin in Großbritannien ernannt werden wollte (was aber nicht klappte), ist nur eine davon.

Der inzwischen als Trump-Berater und auch vom Portal „Breitbart News“ geschasste Rechtsaußen Steve Bannon beschreibt Trump als Maschine. „Stand der Schalter auf Ein, produzierte sie Lob, stand er auf Aus, gab sie Beschimpfungen von sich. Das Lob war süßlich, kriecherisch, mit absurden Superlativen garniert und hatte überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun: Soundso war der Beste, der Unglaublichste, der Unübertrefflichste, der Unsterbliche. Die Beschimpfungen waren wütend, bitter, rachsüchtig – ein Rausschmiss, gefolgt vom Zuschlagen der Stahltür.“

Haarsträubende Äußerungen über die Jagd auf Frauen

An anderer Stelle werden dem US-Präsidenten haarsträubende Äußerungen zugeschrieben: „Trump sagte gern, zu den Dingen, die das Leben lebenswert machen, gehöre es, die Frau eines Freundes ins Bett zu kriegen“. Auch wenn manch Schlimmes inzwischen von Schlimmerem überholt worden ist und die Halbwertszeit des Werkes beschränkt sein dürfte, ist die Lektüre interessant. Danach möchte man sich allerdings die Hände waschen und dem einstigen Präsidenten George W. Bush zustimmen, der nach Trumps Amtseinführung gesagt haben soll: „Was für ein verrückter Scheiß.“

Im Buchhandel: Michael Wolff: „Feuer und Zorn“, Rowohlt, 19,95 Euro. Das E-Book ist mit 16,99 Euro etwas preiswerter.