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Das Grauen steckt hinter der Familien-Fassade

Schauspielhaus Bochum

Bevor in der Uraufführung „Wir müssen reden“ das erste Wort fällt, vergeht im Theater Unten des Bochumer Schauspielhauses eine ganze Weile. Doch dann fördert Regisseurin Anna Fries mit dem Text von Laura Naumann Erstaunliches über das System Familie zu Tage.

BOCHUM

, 25.09.2017
Das Grauen steckt hinter der Familien-Fassade

Günter Alt zeigt auch beim Essen das Grauen.

Durch einen Aushang in Cafés, Fitnessstudios, Pommesbuden und Kindergärten hat das Team der Produktion Familien gesucht, bei denen sie zu Abend essen dürfen. Dazu brachte die Autorin einen Fragenkatalog mit, der es in sich hatte: Gibt es Streitpunkte, die immer wiederkehren? Denkt ihr, ihr würdet euch kennen, wenn ihr nicht sowieso eine Familie wärt?  

Bis zum Gartenzaun

Aus Verdichtung, Pointierung und Fortspinnung der Gespräche entstand ein starkes Stück. Es lotet das Potenzial des Systems Familie aus, nimmt es als Keimzelle der Gesellschaft unter die Lupe. Durch gute Schauspielerführung und eine klar strukturierte Bühnensprache zeigt die Regisseurin, was es bedeuten kann, wenn dieses System offen oder geschlossen ist; wenn die Generationen über Politik diskutieren – oder das Internet abbestellt haben und nur bis zum Gartenzaun denken.

Das Grauen scheint durch

Vier Darstellerinnen und ein Darsteller spielen Familien-Konstellationen durch, lassen Geschlechterrollen ins Wanken geraten. In den intensivsten Momenten scheint in ihrem Spiel das Grauen hinter der sozial eingeübten Fassade durch. Unaufgelöste Konflikte, irrationale Ängste und aufgestaute Aggressionen brechen Bahn. Dann bespucken sich Lisa Jopt und Günter Alt über den Abendesstisch im Zentrum des Bühnenbilds mit Halbgekautem, Therese Dörr offenbart als Mutter ihre Ängste vor Zuwanderern und Jopt wirft ihr als Tochter an den Kopf: „Dann habe ich wohl Pech gehabt, dass du meine Mutter bist!“

26. /  30. 9., 17./28. 10.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.