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"Das Konzert": Hinreißende Tragikomödie um einen gealterten Stardirigenten

Im Kino

Der rumänisch-französische Regisseur Radu Mihaileanu lässt sein Publikum nicht lange warten, bis es etwas zu lachen bekommt. Er ist ein Meister der Tragikomödie, und „Das Konzert“ ein Paradebeispiel seines Könnens.

von Von Klaus-Peter Heß

, 02.08.2010
"Das Konzert": Hinreißende Tragikomödie um einen gealterten Stardirigenten

Anne-Marie Jacquet (Mélanie Laurent) spielt in "Das Konzert" eine geheimnisvolle Geigerin.

Früher war Andrei im Bolschoi-Theater ein Stardirigent. Seitdem man ihn degradiert hat, weil er gegen das Geheiß von Sowjet-Oberhaupt Breschnew seine jüdischen Musiker nicht entlassen wollte, schwingt er dort nur noch Besen und Putzlappen. Das ist schon tragisch. Als Andrei ein Fax in die Finger bekommt, in dem der Chef des Pariser Théâtre du Châtelet das Bolschoi-Orchester zu einem Gastspiel einlädt, fasst er einen wahnwitzigen Plan. Er unterschlägt das Schreiben, und meldet sich selbst und sein Orchester an. Bei der Suche nach den „Ehemaligen“ dreht sich der Film rasch in den Wind einer burlesken Komödie.

Die Kollegen sind über ganz Moskau und das Umland verstreut. Für gemeinsame Proben ist keine Zeit mehr. Der zusammengesuchte Haufen landet schließlich in Paris und taucht ab ins Vergnügen. Man ahnt nichts Gutes. Es kommt besser. Viel besser. Zwischendurch holt der Film immer mal wieder tief Luft. In Rückblenden und Gesprächen erfährt man, wie Andrei unter den Demütigungen der kommunistischen Diktatur leiden musste. Alkoholabhängig war er und depressiv. Ein Künstler unter Ignoranten und politischen Idioten. Der Film hat ein Faible für sie und ihre Schlitzohrigkeiten. Manchmal reizt er sie bis zum Klischee aus. Kitschig wird’s nie.

Es ist der erneute Stimmungsumschwung, der den Film sehens- und hörenswert macht (Césars für die „Beste Musik“ und den „Besten Ton“). Das Orchester ist vollzählig versammelt, um die Herzen des Publikums mit Tschaikowskys Violinkonzert zu erobern. Neben dem Pult eine junge französische Geigerin, mit der Andrei ein besonderes Geheimnis verbindet. Das lüftet sich im Verlauf von zwölf musikalisch betörenden Minuten. Danach fließen Tränen. Nicht nur auf der Bühne.