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Das Leben als langer Marsch

DUISBURG Da ist sie nun, die sicherlich wichtigste Retrospektive nach Immendorffs Tod. Schon zu Lebzeiten des Künstlers verabredet, zeigt das Museum Küppersmühle in Duisburg 110 Werke des Malers, der im Mai am der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) gestorben war.

von Von Bettina Jäger

, 03.12.2007
Das Leben als langer Marsch

"Gelbes und weißes Baby" malte Immendorff 1967.

Sein Leben war ein "langer Marsch" - ein Titel, den auch viele seiner Bilder haben. Von einem frechen Kunststudenten, der 1968 mit einem schwarz-rot-goldenen Klotz am Bein im Bonner Regierungsviertel demonstrierte, bis zum Staatskünstler, der den damaligen Kanzler Gerhard Schröder porträtieren durfte.

Entwicklung famos nachgezeichnet

Eine erstaunliche Entwicklung. Und die Schau in der Küppersmühle zeichnet sie im Rahmen ihrer Akademos-Reihe, die den Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie gewidmet ist, auf famose Weise nach.

Die LIDL-Aktionen

In den 60er Jahren waren es die comic-ähnlichen Agitprop-Bilder, mit denen der bekennende Maoist Immendorff gegen den Vietnam-Krieg zu Felde zog. Doch schon seine "LIDL"-Aktionen - das Wort ist dem Geräusch einer Kinderrassel nachgebildet und hat nichts mit der Supermarktkette zu tun - zeigen bis heute, dass man auch mit Witz und Ironie protestieren kann, dass man Freundschaft zwischen Ost und West eben auch mit dem "Gelben und weißen Baby"  fordern kann.

Dann sein großes Thema: die deutsch-deutsche Wiedervereinigung. Museumsdirektor Walter Smerling verzichtet größtenteils auf die "Café Deutschland"-Serie, zeigt in einem imposanten Raum stattdessen vier Versionen vom "Langen Marsch auf den Adler". Der Künstler mit Taschenlampe sucht seinen Weg zwischen den Klauen des Bundesadlers ...

Große und wichtige Ausstellung

Die Küppersmühle bietet eine in jeder Hinsicht "große" Ausstellung. Nicht nur, dass wir staunend vor den prallen Riesenformaten stehen und versuchen, die Symbole zu verstehen oder die Porträts berühmter Zeitgenossen zu erkennen. Spannend ist auch, wie vielfältig Immendorff mit seiner Rolle als Künstler umging ("Painter as canvas", 1991) und wie souverän er die Kunstgeschichte von Dürer bis Hogarth zitiert.

Größe hat Immendorff auch beweisen, als er mit Hilfe seiner Assistenten malte bis zum bitteren Ende. "Er konnte den Studenten etwas sehr Positives vermitteln, nämlich unter unendlichen Schwierigkeiten trotzdem nicht aufzugeben", sagt sein Freund Markus Lüpertz im Katalog.

Museum Küppersmühle Duisburg: "Jörg Immendorff", bis 2.3.08. , Mi 14-18 Uhr, Do 11-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr. Zur Eröffnung am Montagabend konnte Gerd Schröder, wie ursprünglich angekündigt, nicht kommen. Grund war ein medizinischer Eingriff. Stattdessen sprach Fritz Pleitgen (RUHR 2010).