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Klavier-Festival Ruhr

Das Wunder Sokolov

ESSEN Grigory Sokolov, der am Montag beim Klavier-Festival Ruhr in der Philharmonie Essen auftrat, ist ein musikalisches Phänomen: Wie der 62-jährige russische Ausnahmepianist dem Flügel die Töne entlockt als greife er direkt in die Saiten, und mit welcher Präzision und Schnelligkeit er auch noch nach zweieinhalbstündigem Programm und sechs Zugaben trillert.

Das Wunder Sokolov

Grigory Sokolov spielte beim Klavier-Festival Ruhr in der Philharmonie Essen.

Und, wer außer Sokolov ist imstande, einen so schlüssigen dramaturgischen Bogen zu spannen vom französischen Barock bis zum späten Brahms?

Geziert und etwas manieriert ließ Sokolov die ersten Töne der Cembalosuite von Jean-Philippe Rameau klingen. Melodien hatten es in diesen Charakterstücken schwer, sich gegen ein üppiges Geflecht aus schnellen Trillern und anderen Verzierungen zu behaupten. Typischer verspielter französischer Barock eben.Kapriziös und keck Aber Sokolov gab sich nicht nur kapriziös und keck, sondern auch empfindsam und entfaltete zudem ungeahnte Virtuosität in den beiden Variationen zu "Die Einfaltspinsel von Sologne".

Mozarts a-Moll-Sonate KV 310 schloss da tonlich unmittelbar an. Nicht ohne Witz stürmte der Pianist durch den ersten Satz, feine Artikulation dominierte das Andante. In den Händel-Variationen von Brahms war das Barocke bei Sokolov ständig präsent, nicht nur im trillerverzierten Thema. Zugleich aber verband er die Musik des Klassizisten Brahms mit romantischem Ton und virtuoser Wucht. Auch diese Variationen erhielten den Anstrich von abwechslungsreichen Charakterstücken.

Sechs Zugaben Das eigentliche Wunder des Klavierabends geschah im direkten Anschluss an die jubelnde Schlussfuge: Sokolov unterdrückte den Applaus des Publikums und deutete die drei Brahms-Intermezzi op. 117 als stillen Epilog. Da saß er nun, nunmehr ganz ohne Allonge-Perücke, und sandte zarte, dichte, schwebende, entrückte Klänge in den abgedunkelten Raum. Frenetischer Beifall.

 

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