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Ausstellung im Folkwang-Museum

Das sind Selfies der besonderen Art

ESSEN. Nur selten trifft ein Kunstwerk direkt ins Herz. Aber dem rot-weißen Perlenvorhang, der in die neue Ausstellung "Dancing with Myself" im Folkwang-Museum führt, gelingt das auf tragische Weise. Der Künstler Félix González-Torres litt an Aids. Die Perlen des Vorhangs symbolisieren seine roten und weißen Blutkörperchen. 1996 ist er an dem Virus gestorben, genau wie sein Lebensgefährte vor ihm.

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Alighiero Boetti schuf 1993/94 dieses Selbstporträt.

Kein Perlenvorhang, sondern Kunst: Kurator Martin Bethenod durchquert das Werk „Untitled (Blood)“.

Eine Videoinstallation des US-amerikanischen Konzeptkünstlers Bruce Nauman.

Und das bleibt nicht das einzige anrührende Kunstwerk in der Schau "Dancing with Myself" (Tanzen mit mir selbst), die nach einem Song von Billy Idol benannt ist.

Die neue Herbst-Ausstellung des Folkwang-Museums präsentiert ab heute 115 Werke der modernen Kunst zum Thema Selbstporträt. Selten sind Arbeiten aus den 1960er Jahren bis heute so perfekt kombiniert und zugleich so gut erklärt worden.

Verständlich beschrieben

Das liegt vor allem an den verständlichen Beschreibungen, die die Kuratoren Florian Ebner vom Museum Folkwang und Martin Bethenod, Direktor des Palazzo Grassi in Venedig, zu jedem Werk liefern. "Die Erläuterungen sollten sich aber nicht über das Werk legen", sagte Ebner bei der Vorstellung der Schau. So kann man die jeweiligen Texte lesen - oder einfach darauf vertrauen, dass die Kunstwerke in den vier Kapiteln "Melancholie", "Identitätsspiele", "Politische Autobiographien" und "Rohmaterial" den eigenen Horizont erweitern.

Denn diese Selbst-Darstellungen haben so rein gar nicht mit jenen Selfies zu tun, die Millionen Menschen für die sozialen Netzwerken von sich selbst machen, stets grinsend wie ein Honigkuchenpferd. Alighiero Boetti zum Beispiel hat eine Skulptur von sich selbst angefertigt mit einem Schlauch in der Hand, aus dem scheinbar kochender Wasserdampf den Kopf trifft - eine fiese Vorstellung.

"Wer bin ich?"

"Wer bin ich und wenn ja wieviele?" - diese Frage stellt sich nicht nur der Philosoph Richard David Precht in seinem Buch, sondern auch Cindy Sherman, die Königin der Verkleidung, in der Ausstellung. Rodney Graham tritt sich in einem witzigen Video selbst in den Hintern, und auch die Plakate des Dortmunders Martin Kippenberger sind zum Schreien komisch. Im Kapitel "Rohmaterial" wird´s intim: Alina Szapocznikow hat ihren Po abgeformt (und eine Lampe daraus gemacht), Boris Mikhailov zeigt mutig seinen vom Alter gezeichneten nackten Körper. Diese Selbstporträts fragen nicht nur nach der eigenen Identität, sondern ziehen in den Kampf gegen das Vergessen, gegen die Vergänglichkeit und den Tod.

Erste Präsentation der Sammlung Pinault

Die Schau ist auch deshalb so sehenswert, weil es sich um die erste Präsentation der Sammlung Pinault in Deutschland handelt. Der Mulit-Milliardär François Pinault ("Gucci") gilt als einer der einflussreichsten Kunstsammler der Welt. Er plane die "dynamische Zusammenarbeit mit den größten europäischen Institutionen", ließ er in Essen wissen. Dazu passt, dass in dieser Schau 78 Werke aus der Sammlung Pinault und 36 Arbeiten aus dem Folkwang-Bestand eine glückliche Verbindung eingehen.

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