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Das ungewöhnlichste Konzert der Kulturhauptstadt

Musikmaschinen am Kanal

HERNE Er ist der Herr der Hörner. Der Meister der Membranophone. Der Dirigent der Druckluftinstrumente. Der Herner Künstler Christof Schläger macht spektakuläre Musik - und plant am 1. Oktober das ungewöhnlichste Konzert der Kulturhauptstadt am Rhein-Herne-Kanal.

von Von Bettina Jäger

, 13.08.2010
Das ungewöhnlichste Konzert der Kulturhauptstadt

Christof Schläger vor einer Horn-Batterie.

Der europaweit bekannte Klangkünstler arbeitet in der Maschinenhalle der einstigen Zeche Teutoburgia. Ein gigantischer Kunstraum, vollgestellt mit gigantischen Geräten. Das sind die "Instrumentmaschinen" des Christof Schläger. "Ich schalte mal die Druckluft an", sagt er mit einem verschmitzten Lächeln und setzt sich an den Computer. Nichts bereitet den Zuhörer darauf vor, was dann passiert: Spiralhörner tuten tiefe Melodien. Die "Brane", ein viereinhalb Meter hoher Halbkreis mit folienbespannten Metallringen, trötet los. Wunderschön und so laut, dass es im Brustkorb kribbelt. Oder wissenschaftlich gesagt: 120 Dezibel. So laut wie ein startender Düsenjäger.

Einen Gehörschaden riskiert aber niemand, der am Freitag, 1. Oktober, an der Schleuse Crange dem einstündigen Konzert mit dem Titel "SCHWINGUNGEN" lauscht. Die weite Landschaft wird die Lautstärke reduzieren, erklärt Schläger und verspricht eine "neuartige Klangerfahrung". Und das nicht nur vor der Bühne, auf der er selbst sitzen wird. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals wird es eine zweite Klangbühne geben, eine dritte Batterie von Signalhörnern ist auf einem Zug montiert und bewegt sich. Dazu gibt´s eine spektakulär seltsame Choreographie zu sehen. Sieben Betonpumpen der Firma Schwing - ansässig in Herne - werden ihre bis zu 50 Meter hohen Rüssel im Takt der Musik bewegen. Schlägers Frau, die Dramaturgin Marjon Smit aus Holland, entwirft die Bewegungsabläufe.

Ein ruhiger Mann ist Schläger, trotz der Lautstärke, die er entfacht. Aber er hat eine Vision. "Ich will einen Blick zurück in die industrielle Welt werfen", erklärt er. Dennoch wird er nicht die Geräusche der Arbeit reproduzieren. "Das wird schon echte Musik", betont er.  Seit drei Jahren bastelt der 52-Jährige, der Bauingenieurwesen studiert hat, dafür an besonderen Instrumentmaschinen. In den futuristischen Gebilden stecken Ventile aus dem Gasleitungsbau und Folien aus der Drucktechnik. Selbst Nebelhörnern für Schiffe hat er das Musizieren beigebracht.

 Rund 100 000 Euro kostet das Konzert. Das stemmen die Stadt Herne und diverse Firmen. Tausende von Besuchern werden erwartet. Und wenn´s regnet? Empfindlich seien nur die Computer, sagt Schläger. Dafür wird ein Dach gebaut. "Das Wetter wird mich nicht aufhalten", sagt er einfach. Man glaubt es ihm aufs Wort. "Schwingungen- Ein Konzert für 100 Schiffshörner und tanzende Betonpumpen", 1.10., 19 Uhr, Schleuse Wanne-Eickel, direkt am Kirmesplatz. Eintritt frei, es gibt viele Parkplätze und Ohrstöpsel.

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