Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Theater auf Zollverein

Dem Großen Krieg auf der Kokerei nachspüren

ESSEN Es ist nicht unbedingt der Ton, den man sich von einem Platzanweiser erhofft. "Mitkommen", brüllt er, "ihr Saukerle!" Einen Moment lang kostet er die Unsicherheit aus, wer denn hier eigentlich gemeint ist. Dann folgen seine Mitspieler über das Gelände der stillgelegten Kokerei Zollverein, tauschen ihre altmodischen Kleider gegen ebenso altmodische Uniformen und erzählen den Zuschauern von ihren ersten Erlebnissen als Rekruten.

Dem Großen Krieg auf der Kokerei nachspüren

Die Tänzer vor der Kokerei Zollverein.

Denn der deutsche Kaiser hat soeben den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verkündet. Dass er damit eine Jahrhundert-Katastrophe auslösen wird, daran lassen die totenbleich geschminkten Tänzer, die unterhalb seines Balkons durchs Wasser pflügen, keinen Zweifel.

Es ist ein vielversprechender Anfang für eine „Theatercollage in Bewegung“, die Schauspielschüler, Musiker und Tänzer der Essener Folkwanghochschule sowie angehende Kameraleute der FH Dortmund auf die Beine gestellt haben. Sie haben sich vorgenommen, den gesamten Ersten Weltkrieg zu beleuchten.  Dramaturg Gerold Theobalt hat dazu Texte von Künstlern der Kriegsgeneration zusammengestellt. Und Regisseur Johannes Klaus gelingt es, ein kritisches und eindrückliches Bild des Großen Krieges zu vermitteln.

Was direkt nach der wirkungsvollen Open-Air-Einführung aus der Balance gerät, ist die versprochene Bewegung, die sich alsbald als Bewegt-Bebilderung herausstellt. Denn die Handlung wird nahezu permanent mit drei Kameras eingefangen und auf zwei Leinwände über der Bühne projiziert. Das hat über weite Strecken seinen Reiz, denn die Dortmunder Studenten von Altmeister Adolf Winkelmann erweisen sich als einfallsreich und handwerklich überaus versiert. Allein das rechte Maß wird hier schnell überschritten und dem Zuschauer drohen in knapp zwei Stunden Genickstarre und Reizüberflutung. Von Musik und Tanz hingegen hätte es ruhig ein wenig mehr sein dürfen.   

Aufführungen im Juli


Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Anna Basener

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

Ruhrpott-Flair lässt Anna Basener in ihrem Roman "Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte" aufleben - und laut Verlag hat sich Adolf Winkelmann schon vor Erscheinen des Buchs die Filmrechte an der Geschichte gesichert.mehr...

Interview mit Autor Frank Goosen

„Die Geschichten liegen im Ruhrgebiet auf der Straße“

Bochum Als Autor und Kabarettist ist Frank Goosen (50) eine der bekanntesten Stimmen des Reviers, nach der Verfilmung von "Liegen lernen" (2003) nun erneut auch Stofflieferant fürs Kino. Kai-Uwe Brinkmann traf Frank Goosen im Vorfeld der Bochumer Premiere von "Radio Heimat".mehr...

Filmpremiere "Junges Licht"

Winkelmann besingt das „Wir“ im Revier

ESSEN Großer Bahnhof gestern Abend an der Essener Lichtburg. Adolf Winkelmanns Film "Junges Licht" feierte Premiere, beide Kinosäle nahezu ausverkauft, viel Prominenz aus Kultur, Film, Politik anwesend, aber auch ein Neubürger des Reviers wie BVB-Trainer Thomas Tuchel.mehr...

Im Kino

„Junges Licht“ zeigt die kleine Welt der 60er-Jahre im Revier

RUHRGEBIET 60er-Jahre, Ruhrgebiet und Malocher. Unter Tage schuften sie in Enge und Hitze am Flöz. Oben hängt Mutti vor fahlem Himmel die Wäsche auf. Man lebt im Schatten der Hütte, wo die Schlote qualmen, qualmt selbst wie ein Schlot, nährt sich von Stullen und Bier. Solche Szenen und Bilder finden sich auch in Adolf Winkelmanns "Junges Licht", seiner Verfilmung des Romans von Ralf Rothmann, von dem Winkelmann (70) sagt, er habe dort die eigene Kindheit im Revier erkannt.mehr...

70. Geburtstag am 10. April

Adolf Winkelmann: „Ich will die Welt verbessern“

Am 10. April feiert der Dortmunder Filmemacher Adolf Winkelmann seinen 70. Geburtstag. Kai-Uwe Brinkmann traf ihn zu einem Gespräch über das Revier, alte und neue Filme und Winkelmanns Tätigkeit am U-Turm, den er mit seinen fliegenden Bildern bespielt.mehr...

Adolf Winkelmann

Die Abfahrer

"Man sieht die Hochöfen der Ruhrhütte und Teile des beleuchteten Werksgeländes. Langsam beginnt die Morgendämmerung." So beginnt das Drehbuch, so startet der Filmklassiker des Dortmunder Regisseurs Adolf Winkelmann aus dem Jahre 1978.mehr...