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Im Kino

Der Film "Schoßgebete" ist eine banale Posse

Eine Frau plappert von sich selbst. Obsessiv kreisen die Gedanken um Körperliches. Po-Jucken, Darmwürmer, Sexfantasien. Charlotte Roches gesammelte Pikanterien wurden zum Bestseller, jetzt hat Sönke Wortmann ihre "Schoßgebete" verfilmt. Am Donnerstag kommt der Film ins Kino.

Der Film "Schoßgebete" ist eine banale Posse

Lavinia Wilson als Elizabeth Kiehl und Jürgen Vogel als ihr Ehemann Georg.

Szenen aus dem Film "Schoßgebete"

Elizabeth Kiel (Lavinia Wilson) mit ihrer Therapeutin Frau Drescher (Juliane Köhler)
Lavinia Wilson ist Elizabeth Kiehl
Elizabeth Kiehl (Lavinia Wilson) in "Schoßgebete"
Elizabeth Kiehl (Lavinia Wilson) und ihr Ehemann Georg (Jürgen Vogel)
Lavinia Wilson, Jürgen Vogel und Pauletta Pollmann.
Lavinia Wilson (Elizabeth Kiel)
Elizabeth Kiehl (Lavinia Wilson) und ihr Ehemann Georg (Jürgen Vogel)
Lavinia Wilson ist Elizabeth Kiehl in "Schoßgebete"
Lavinia Wilson ist Elizabeth Kiehl in "Schoßgebete"
Elizabeth Kiehl (Lavinia Wilson) und ihr Ehemann Georg (Jürgen Vogel)
Lavinia Wilson als Elizabeth Kiehl am Strand in "Schoßgebete".
Elizabeth Kiel mit Mann Georg (Lavinia Wilson und Jürgen Vogel)

Sicherlich fungiert jedes Buch als Sprachrohr seiner Verfasserin, das gilt meist auch für die Kinoversion. Oliver Berben (Drehbuch) und der Regisseur engen die Perspektive dermaßen ein, dass der Film nur noch um den Nabel der von Lavinia Wilson gespielten Elizabeth kreist. Oder um Bereiche unterhalb davon. Im Zentrum stehen die Neurosen und Ticks einer Ich-Maschine, die in immerwährender Selbstbespiegelung gefangen ist. Ihr Dasein scheint nur aus Sitzungen bei der Psychiaterin (Juliane Köhler) zu bestehen, wo sie ihren Seelenmüll ablädt.

Zur Sprache kommen Elizabeths Fixierung auf allerlei Unappetitliches, ihre Besessenheit vom Tod, ihre Gedanken an gemeinsame Bordellbesuche mit ihrem Mann Georg (Jürgen Vogel). Und das soll jetzt ein Leben sein? Elizabeth und Georg bewohnen eine großzügige Villa am Stadtrand. Womit verdienen sie ihre Brötchen? Was füllt ihren Tag, neben all dem frivolen Geschwafel, das der Film als provokant und lustig verkaufen will?

Es sind blutarme Gestalten, Kopfgeburten ohne Erdung, zuhause im Vakuum. Denen können selbst Schauspieler wie Wilson und Vogel keinen Atem einhauchen. Wo David Wnendts Filmversion der „Feuchtgebiete“ den Roman zum Psychogramm ausbaute und ihn um kräftige Farben bereicherte, kriecht Sönke Wortmann der Skandalnudel Roche auf den Leim, indem er den Stoff auf Genital-Humoreske trimmt.

Schale Witzchen, wohlfeile Gags. Humor, der hinter seiner „gewagten“ Attitüde eine unsägliche Piefigkeit offenbart. Als sollten hier biedere Hausfrauen zum Kichern gebracht werden. Selbst wenn Wortmann ins Tragische wechselt, mit viel Geschepper einen Unfall zeigt, bleibt er an der Oberfläche. Trauma, Trauer und Tiefe bekommen nicht wirklich eine Chance. Bald schon wechselt der Ton zurück zu krampfhaft heiter. Eine ärgerlich banale Posse, übellaunig sitzt man sie aus.

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