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Der Frühling im Konzert – lieblich und brachial

Philharmoniker Dortmund

Der Kontrast hätte bei diesem „Frühlingserwachen“ kaum größer sein können im sechsten Philharmonischen Konzert im Konzerthaus Dortmund: Vivaldis lieblichem Frühling mit zwitschernden Vögelchen in den Geigenstimmen stellten 20 Dortmunder Philharmoniker, im Stehen musizierend, Strawinskys brutales, heidnisches Frühlingsritual „Le Sacre du Printemps“ gegenüber.

12.02.2014
Der Frühling im Konzert – lieblich und brachial

Mit Blickkontakt zu allen Musikern führte Ariadne Daskalakis das Barockensemble ohne Dirigent und breitete mit farbigem und sauberem Ton die Stimmungen der Jahreszeiten aus.

110 Philharmoniker brachten mit Generalmusikdirektor Gabriel Feltz in dem Skandalwerk des 20. Jahrhunderts den Saal zum Beben; Feltz zeigte aber auch, wie differenziert Strawinskys Rhythmusspektakel klingen kann, wenn man es nicht nur zum Durchlauferhitzer brachialer Gewalt macht, sondern Klänge klug auflichtet.

Lange haben sich die Abonnenten der Philharmoniker nach Barockmusik gesehnt. Entsprechend gut besucht war das Konzert – obwohl Vivaldis „Jahreszeiten“ nun schon zum dritten Mal innerhalb eines Monats im Konzerthaus erklungen sind. Dieses war die beste der drei Interpretationen. Und es war ein schönes Wiedersehen mit einer Stipendiatin der Dortmunder Mozart-Gesellschaft: 1999 bekam Geigerin Ariadne Daskalakis in Dortmund ihr Stipendium; inzwischen ist aus der Amerikanerin mit griechischen Wurzeln eine reife, ausdrucksstarke Solistin geworden. Mit Blickkontakt zu allen Musikern führte sie das Barockensemble ohne Dirigent und breitete mit farbigem und sauberem Ton die Stimmungen der Jahreszeiten aus.

Auch da hatte das Orchester Klänge klug schattiert und in manchen Tutti-Passagen effektvoll ausgedünnt, ließ nur die Stimmführer mit der Solistin brillant spielen. „Sacre“ im zweiten Teil klang orgiastisch, schon durch die Riesenbesetzung. Breitbeinig, mit viel Energie und sehr genau bündelte Gabriel Feltz die Kräfte und schuf schöne Kontraste zwischen dem brachialen Tanz der Erde und den sanften Anbetungen der Weisen und dem mystischen Reigen der Mädchen. In manchen Sätzen hätte man sich am Dienstag noch mehr Mut der Streicher gewünscht, hineinzufahren in die Klangmassen, aber mitreißende Energie hatte diese Interpretation trotzdem.

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