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Stephan Balkenhol in Wuppertal

Der ganz normale Mann

WUPPERTAL Warum seine männlichen Figuren so oft ein weißes Hemd und eine schwarze Hose tragen, fragt eine Journalistin den Künstler Stephan Balkenhol. "Das ist eine Kleidung, die jeder anhaben könnte", antwortet der 57-jährige Bildhauer, den diese ganz normalen Männer aus Holz längst zum Star gemacht haben.

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Drei Meter hoch ist der "Große Mann", den der Künstler erst vor ein paar Tagen angefertigt hat.

Der Künstler stammt aus dem hessischen Fritzlar.

Bei der Pressekonferenz legte Balkenhol letzte Hand an sein Werk "Sempre più".

Tony Cragg (r.) und Stephan Balkenhol vor der Skulptur "Satyr".

Neun teils riesige Werke zeigt Balkenhol ab heute im Skulpturenpark Waldfrieden - jenem verwunschenen Park voller Kunst, den sein Bildhauer-Kollege Tony Cragg in Wuppertal betreibt. "Das ist ja paradiesisch hier", sagte denn auch Balkenhol, der am Tag zuvor sein Denkmal für den Widerstandskämpfer Jean Moulin in Metz enthüllt hatte.

Fantastischer Anblick

Bei der Gestaltung der Schau in Wuppertal hatte Balkenhol freie Hand. Der Kasseler hat dabei nicht gekleckert, sondern klug geklotzt: Der 5,70 Meter hohe Torso vor der Halle bietet einen fantastischen Anblick. Ein schöner junger Mann, mal ohne weißes Hemd, aber dafür mit melancholischem Blick.

"Sempre più ... ("Immer mehr") heißt dieses Werk, das Stephan Balkenhol (Foto) gestern erst während der Pressekonferenz fertigstellte. Aus Kisten schüttete er Unmengen von Metallscheiben aus, die Münzen symbolisieren sollen. Ursprünglich entstanden für eine Schau auf dem Forum Romanum, spiegelt die Installation die Maßlosigkeit der späten Kaiserzeit in Rom, aber auch heutige Entwicklungen. "Das ist ein existenzielles Problem. Wer immer mehr will, ist nie zufrieden", erläuterte Balkenhol in seiner ruhigen, bedächtigen Art. Und fügte als passionierter Raucher mit trockenem Humor hinzu: "Man kann maßlos rauchen und die Nichtraucher können maßlos sein in ihren Verboten."Viele Zigaretten und lange Überlegung

Auch seine Skulpturen entstehen erst nach vielen Zigaretten und langer Überlegung. So pflegt er immer wieder um einen Baumstamm herum zu gehen - etwa um die 16 Tonnen schwere Libanon-Zeder, aus der "Sempre più" entstand -, bis er zur Kettensäge greift. Dann aber fliegen die Fetzen. Bei dieser Arbeit habe sie immer Angst um ihn, gestand seine Frau Kathrin gestern.

Wie furios der Künstler seinen Werkstoff beherrscht, zeigen die Figuren im Inneren der Halle. Der "Herma phrodit" (2013) liegt anmutig auf dem Bauch. Der "Satyr" (2014) reagiert in seiner Haltung auf den antiken "barberinischen Faun", der seine Genitalien geradezu darbietet. Eine rote Zick-Zack-Konstruktion ("Bodenrelief", 2009) zeigt von der einen Seite einen Mann, von der anderen eine Frau. Doch weder kunsthistorische Anspielungen noch gestalterische Raffinesse sind hier das Entscheidende, sondern die Unmittelbarkeit der Kunstwerke. Diese Skulpturen wirken ruhig, ausgeglichen, sind uns in ihrer Alltäglichkeit so nah wie Zeitgenossen oder sogar Freunde. Ganz normale Leute eben - so wie wir.

Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal: "Stephan Balkenhol", Hirschstraße 12, 12.7.-12.10., Di-So 10-19 Uhr. 

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Drei Meter hoch ist der "Große Mann", den der Künstler erst vor ein paar Tagen angefertigt hat.

Der Künstler stammt aus dem hessischen Fritzlar.

Bei der Pressekonferenz legte Balkenhol letzte Hand an sein Werk "Sempre più".

Tony Cragg (r.) und Stephan Balkenhol vor der Skulptur "Satyr".

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