Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Der verbotene Blick in Picassos Atelier

Picassomuseum

MÜNSTER. Pablo Picasso sitzt mit nacktem Oberkörper vor seiner Staffelei und malt. Es war nur wenigen erlaubt, ihn bei dieser intimen Tätigkeit des Malens beobachten und sogar fotografieren zu dürfen. Das Picassomuseum in Münster zeigt den Künstler in seinem intimsten Raum: dem Atelier. Es ist die Jubiläumsausstellung zum 10. Geburtstag des Picassomuseums.

von Von Sabine Müller

, 27.08.2010
Der verbotene Blick in Picassos Atelier

Der Maler und seine Staffelei: Das Picassomuseum Münster zeigt vom 28. August bis zum 21. November die Ausstellung "Pablo Picasso - Im Atelier des Künstlers".

„Pablo Picasso – Im Atelier des Künstlers“ zeigt 160 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken und Fotografien, davon sind 60 Werke Leihgaben der Erbengemeinschaft Pablo Picasso, zudem stammen Werke aus dem Centre Pompidou in Paris und dem Museu Picasso in Barcelona.  Zwei „Knaller“, so Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller, sind darunter. Zum einen ein Selbstporträt Picassos mit Perücke, das an den Maler Velázquez erinnert und das noch nie in einer Ausstellung zu sehen war. Zum zweiten eine Metallskulptur aus der Sammlung der Picasso-Erben, die ein Konservator wohl nie auf Reisen geschickt hätte. Das hyperschlanke kubistische Gesicht hat Picasso mit Wasserfarbe bemalt, was dazu führt, dass es am Sockel rostet. Falls der Rost abfalle, so zitiert Müller die etwas kokettierende Antwort der Besitzer, packe man den Rost einfach in eine Tüte und stelle sie neben die Skulptur.

Die Ausstellung porträtiert Picasso als Maler und Bildhauer. Auf sehr vielfältige Weise versucht die Ausstellung, dem Schöpfungsprozess auf die Schliche zu kommen, dem Akt der Kreativität beizuwohnen. Das beginnt mit dem schlichten Ausstellen von Pinseln und Paletten, die Picasso benutzte, bis hin zu der Fotodokumentationen von David Douglas Duncan, der Picasso im Jahr 1957 beim Malen eines Ölgemäldes fotografieren durfte. Eine Rarität, da Picasso es eigentlich hasste, beim Malen beobachtet zu werden. Normalerweise schloss er sein Atelier immer ab. Die Ausstellung begleitet Picasso über 70 Schaffensjahre hinweg von 1902 an bis in die späten 60er Jahre, wobei das zentrale Motiv immer wieder der Künstler und das Modell ist. Die Beziehung zwischen Modell und Künstler reicht von zarter Erotik bis zur handfesten Darstellung des Geschlechtsaktes. Der Fantasie, was wohl im Atelier alles passiert ist, wird freien Lauf gelassen. Die Bilder, die Picasso von dem Ort der Kreativität gemalt hat, erzählen viel über ihn und seine Persönlichkeit. Karg ist die Darstellung seines Ateliers im Jahr 1902 in Barcelona, eine einfache, skizzenhafte Darstellung mit nur einem Hocker. 1922 herrscht an der Rue de la Boétie in Paris das Chaos. Töpfe und Tiegel stehen herum, die Bilder und Staffeleien hat Picasso mit wenigen Strichen wild im Raum sortiert. Im Jahr 1955 beherrscht der Palmen-Blick aus den hohen Jugendstilfenstern der Villa „La Californie“ nahe Cannes das Atelierbild.

Picasso malte gerne nachts. Er war ein Langschläfer, erzählt Museumsleiter Müller. Wer ihn vor 11 Uhr störte, fand keine Gnade mehr. Meist nahm er dann ein kleines Frühstück zu sich, die ersten Wehwehchen kamen auf. „Picasso war ein bekennender Hypochonder“, verrät Müller. Erst nach dem Mittagessen und dem Empfang von Gästen begab sich Picasso an die Staffelei. Es konnte 21 oder 22 Uhr werden. Er arbeitete dann bis 3 oder 4 Uhr nachts, wenn es still und dunkel um ihn war. Starke Spots auf die Bilder erleuchteten seine Arbeit. Wenn es unter diesem Licht gut aussieht, soll er gesagt haben, dann unter jedem. Originell ist die Ausstellung in der Ausstellung mit Fotografien von Matthias Schaller. Er hat Paletten von berühmten Malern fotografiert und mehrfach vergrößert abgezogen. „Die Palette eines Künstlers ist noch viel intimer als sein Atelier“, meint der Fotograf. Die Tafeln der sechs verschiedenen Künstler sind so unterschiedlich wie die Künstler selbst – und Rückschlüsse auf das Werk sind selten auszumachen. Einzig Vincent van Goghs Palette ähnelt dem Strich seiner Kunst frappierend. Picassos Palette hat Schaller in seiner Ausstellung mit dem Titel „Meisterstücke“ allerdings nicht dazu gehängt. Zwölf Paletten sind aber im Original ein Stockwerk tiefer zu sehen: Ein seltenes Gut, da Picasso seine Farbe meist auf Zeitungspapier verteilte. Ebenfalls außergewöhnlich in der Schau: Picassos Werke werden ergänzt durch einige zeitgenössische Arbeiten, unter anderem von Christo und dem Schweizer Künstlerduo Peter Fischli und David Weiß, die ebenfalls das Künstleratelier zum Thema haben. Blickfang ist hier der raumgroße, goldene Käfig von Perejaume, der aus lauter Bilderrahmen zusammengesetzt scheint. Im Atelier mag Großes für die Welt hervorgebracht werden, ein Ort fernab der Welt ist es aber auch.

  • Pablo Picasso - Im Atelier des Künstlers, 28. August 2010 bis 21. November 2010, Graphikmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1.
  • Öffnungszeiten: Di bis So 10-18 Uhr, Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro
  • Führungen: Di bis So 16.30 Uhr, Sa/So 15 Uhr, Anmeldung unter Tel. (0251) 41447-10
  • Der Katalog ist für 29,80 Euro im Museumsshop erhältlich.