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Die Fantasie geht auf Wanderung - Auf der Sagenroute rund um Burg Blankenstein

Reportage

HATTINGEN. Für diese Wanderung braucht der Reporter keine teure Trecking-Ausrüstung, sondern vor allem: Fantasie. Felix Guth hat sich auf die Sagenwanderung in das Ruhrtal rund um die Burg Blankenstein begeben. Lesen Sie, was er erlebt hat und ob ihm Spukgestalten begegnet sind.

02.08.2010
Die Fantasie geht auf Wanderung - Auf der Sagenroute rund um Burg Blankenstein

Rund um die Burg Blankenstein ranken sich mystische Geschichten mit wahrem Kern.

Ich will das "Sagenhafte Ruhrgebiet" entdecken, das die Kulturhauptstadt ausruft. Denn die Region ist reich an diesen mündlich überlieferten Mythen, in denen so viel historische Wahrheit steckt. Der Hattinger Dirk Sondermann und sein Team am "Institut für Erzählforschung" haben über 100 dieser Geschichten gesammelt. Der Burg Blankenstein ist gleich eine ganze Route gewidmet. Es geht vorbei an Höfen, über steile bewaldete Hänge, durch eine Villen-Siedlung bis auf den Turm hinauf. Diese Orte können sprechen. Die Texte, alle erschienen in Dirk Sondermanns "Hattinger Sagen" von 2007, habe ich mir vorher ausgedruckt, inklusive einer kleinen Karte. Denn Schilder gibt es auf der Strecke nicht.

Startpunkt Katzenstein, schon öffnet sich das weite Feld. An der Straße "Auf Drenhausen" greife ich erstmals zur Sagensammlung. Mit den ersten Zeilen denke ich mich Jahrhunderte zurück...

  • „Hier trieb in alten Zeiten ein `Knüppelrüer´ sein Unwesen, ein gespensterhafter großer Hund mit glühenden Augen, der mit einem großen an seinem Hals befestigten Knüppel umherlief“ (aus: Hattinger Sagen, Dirk Sondermann, 2007)

Ich schrecke vom Blatt auf, höre ein Schnüffeln und Jaulen, Pfoten tapsen über den Feldweg, kommen immer näher und näher. Ist er's, dieser von einem Bauern vor dessen Tod verfluchte Hund, der jeden Menschen in die Ruhr führt?

  • "Wege dem Menschen, der ihm begegnet und nicht sofort das Kreuz schlägt. Er wird niemals wieder gesehen." (aus: Hattinger Sagen, Dirk Sondermann, 2007)

Glück gehabt. Das Jaulen gehört zu Boxer-Dame "Lana". Die "tut nix", meint ihr Frauchen, trägt auch keinen Knüppel um den Hals und wundert sich eher, dass hier jemand liest.

Trotzdem: Aufregend war das, jetzt bin ich auf alles gefasst. Vom Feldweg geht's ins Villenviertel. Aus all der Pracht und frischen Farben sticht ein rostroter Zaun vor einem grauen Haus heraus: Die Spukvilla Puth. Selbst in der Mittagshitze wirkt das gemauerte Haus mit dem Blick auf das Ruhrtal kalt. Die imposante Villa ist umrankt von Legenden, die sich vor allem in modernen Zeiten bei jungen Leuten über das Internet rasend verbreiten. Spuk? Also bitte: Das geht zu weit! Und doch ist das Puth-Haus ein Zeichen dafür, wie lebendig Sagen sind. "Sie entstehen immer noch, jeden Tag", meint Dirk Sondermann.

Hinter den Baumwipfeln ragt schon der Turm der Burg Blankenstein hervor. Am Fuße des Fachwerk-Dörfchens Blankenstein, steht er steinern und fest. "Sagenumwoben" nennt ihn das Ruhr.2010-Programm. Herrlich, dieser Blick diese Ruhe hier oben über dem Ruhrtal. Doch hier war es nicht immer so idyllisch. In Blankenstein erhoben sich im 17. Jahrhundert die Bauern aus der Gegend gegen ihren tyrannischen Herrscher, Johann von Syberg. Oder wie ihn die Sage nennt: den "Raubritter Joost". Die Geschichte um seine Burg ist ein Thriller um List und Boshaftigkeit. Wochenlang belagern die Bauern die Festung, trocknen schließlich die Quelle des Brunnens aus. Am Ende wird der Joost den Tod in den Fluten der Ruhr finden. Und doch als Sieger da stehen. Denn seinen Schatz - "kostbare Juwelen, Perlen, Gold- und Silbermünzen" - nimmt er mit in das nasse Grab. Dort liegt er noch immer. Also runter vom Turm und ab an die Ruhr.

  • "Bis tief in unsere Zeit hinein soll in mondhellen Sommernächten tief vom Grund der Ruhr her ein Funkeln und Leuchten zu sehen sein. In diesen Momenten lässt der Schatz des Raubritters Joost sein Versteck erahnen.“ (aus: Hattinger Sagen, Dirk Sondermann, 2007)

Mit diesen Sätzen kommt am Ufer die Erkenntnis: Kein Mondschein, kein Schatz. Ich muss wohl nochmal wiederkommen.

Aber gerne doch. Denn während ich schwitzend Erde und Stöcke aus dem Turnschuh-Profil pule, wird mir klar: Das "sagenhafte" am Ruhrgebiet hat richtig Spaß gemacht. Die mystischen Geschichten verwandeln unscheinbare Orte in lebendige historische Stätten. "Viele wissen gar nicht, dass es solche Geschichten aus ihrer Gegend gibt", meint Forscher Sondermann. Sie zu entdecken, lohnt sich.