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Kino: "Martha Marcy May Marlene"

Die Rückkehr der verlorenen Schwester

Die neuere amerikanische Geschichte ist reich an Erzählungen über Sekten und Sektierer: darunter Charles Manson und seine „Family“ in Südkalifornien oder David Koresh mit seiner Branch-Davidian-Sekte in Waco, Texas. Lauter Irre, Mörder, Menschenverführer. Interessant für spektakuläre Filme. Regisseur Sean Durkin ist daran nicht interessiert.

Die Rückkehr der verlorenen Schwester

Die junge Martha (Elizabeth Olsen, links), hat zwei Jahre lang auf der Sekten-Farm von Patrick gelebt.

Er zeigt die Innenansicht einer geflohenen Sektiererin. Das ist mehr psychologisches Kammerspiel und spannendes Psychodrama als Action-Aufklärung oder pädagogisch wertvolles Zeigefingerkino. Im Mittelpunkt aller Szenen steht die junge Martha (Elizabeth Olsen), die zwei Jahre lang auf der Sekten-Farm von Patrick gelebt hat, bevor ihre letzten verbliebenen wahren Instinkte ihr zur Flucht verholfen haben. Bis dahin hat der Psycho-Flüsterer bei ihr normales Sozialverhalten und Unrechtsbewusstsein ausgehebelt.

Martha kommt im Haus ihrer Schwester und deren Ehemann unter, macht einen geistig verwirrten Eindruck. Mit kluger und geschickter Szenenverbindung switcht Durkin zwischen Vergangenheit auf Patricks Farm und der Zeit der geistigen Regenerierung Marthas hin und her. Wie ein Puzzle fügt sich allmählich ein Bild jener Tage zusammen, in der die junge Frau ihren freien Willen dem Gruppenzwang geopfert hat, sie es mit Selbstaufgabe, Macho-Hierarchie, Vergewaltigung, sogar mit Mord zu tun hatte.

Wer war ich, fragt sich Martha. Wer willst du sein, fragt ihre Schwester. Wer kann ich sein, fragt der Film angesichts vielversprechender Verführungen sozial entwurzelter Menschen und eines bürgerlichen Normen- und Wertekatalogs, in dessen Grenzen sich nicht jedes Individuum einnisten will. Ein schwieriger, souveräner, sehenswerter Film.

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