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Patrick deWitt

Die Sisters Brothers

Eine Western-Parodie ist Patrick deWitts Roman "Die Sisters Brothers". Die beiden Killer Eli und Charly Sisters reiten Mitte des 19. Jahrhunderts von Oregon nach Kalifornien, um dort einen Mann zu töten, der angeblich etwas gestohlen hat. Unterwegs müssen sie eine Reihe von kleineren Abenteuern bestehen.

Die Sisters Brothers

Was auf einen kurzweiligen und spannenden Unterhaltungsroman hoffen lässt, ist leider nur mäßig gelungen. Die Pointen sind nicht lustig genug, die Gefahren nie so groß, dass wirklich Spannung aufkommen könnte, die ganze Handlung zu unzusammenhängend, um unterhaltsam zu sein.Zusammenhanglos Der 1975 in Kanada geborene Autor reiht etwas lieblos eine Begebenheit an die nächste, ohne später wieder auf die Ereignisse zurückzukommen. Manches wirkt wie mal eben auf ein paar Zeilen hinskizziert, so als sei es ein kurzes Exposé für einen Film, nicht aber ein sorgfältig erzählter Roman. So entstehen viele lose Handlungsfäden, die nie wieder aufgegriffen werden. Einmal verflucht eine vermeintliche Hexe den Eingang zu einem Haus, in dem sich unsere Helden befinden, so dass sie aus dem Fenster fliehen müssen - ein anderes Mal treffen sie einen kleinen Jungen, der verzweifelt ist, weil er seine Eltern verloren hat. Sie schicken ihn weg. Ein am Auge verletztes Pferd kommt genauso vor wie eine Abmagerungskur oder die Vorteile des Zähneputzens. Doch alles bleibt seltsam episodenhaft, nichts hat irgendeine Bedeutung für den weiteren Fortgang der Handlung.Gegensätzliche Brüder Während Charly Sisters brutal und skrupellos ist, ist sein dicklicher Bruder Eli, aus dessen Sicht die Geschichte geschrieben ist, weich und mitfühlend. Er verschenkt beinahe sein gesamtes Geld, träumt von einem Dasein als friedlicher Ladenbesitzer und scheint für den Killerberuf nicht geschaffen zu sein. Zur Identifikationsfigur für den Leser taugt er trotzdem nicht, weil er dafür - und das ist ein weiteres "zu wenig" in diesem Roman - eben nicht sympathisch genug ist.Unbefriedigendes Ende Gänzlich unbefriedigend ist das Ende. Es zerrinnt einem beim Lesen zwischen den Buchseiten, ohne dass es einen Höhepunkt, einen Aha-Effekt, eine Klammer, die alle Handlungsfäden zusammenführt, oder etwas sonstwie Erhellendes geben würde. Kein gutes Buch.

Patrick deWitt: Die Sisters Brothers, Manhattan, 17,99 Euro, ISB 978-3-442-54700-5.

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