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Die Tragödie nicht verdrängen

Ruhr.2010

ESSEN. "Wir wollen nicht verdrängen", sagt Fritz Pleitgen. "Der Schatten liegt auf ganz Deutschland und damit auch auf der Kulturhauptstadt." Die Ruhr.2010 will mit ihrem Programm weitermachen - jedoch bis zum Schluss an die Tragödie von Duisburg erinnern.

von Von Bettina Jäger

, 19.08.2010
Die Tragödie nicht verdrängen

Fritz Pleitgen (l.) und Oliver Scheytt bei der Gedenkfeier Ende Juli.

Die beiden Geschäftsführer der Ruhr.2010, Fritz Pleitgen und Oliver Scheytt, traten  am Donnerstag zum ersten Mal nach der so tragisch verlaufenen Loveparade vor ein größeres Presseaufgebot. Kein leichter Termin, beide wirkten angespannt, älter geworden, blieben aber keine Antwort schuldig."Nicht zu weit aus dem Fenster lehnen"

Er stehe zu seiner moralischen Mitverantwortung, bekräftigte Pleitgen jene Sätze, die er schon in der Nacht des Unglücks gesagt hatte. Ursächlich sei die Ruhr.2010 aber nicht an der Loveparade beteiligt gewesen, habe keinerlei Anteil an der Organisation gehabt. Pleitgen bestätigte ein Gespräch mit dem Duisburger Kulturdezernenten Karl Jansen, der das Ereignis im Vorfeld nur ungern als Kulturhauptstadt-Veranstaltung hatte sehen wollen. Pleitgen berichtete außerdem, dass er kurz nach seiner nächtlichen Äußerung zur Mitverantwortung "aus politischen und anderen Reihen aufgefordert worden sei, mich nicht zu weit auf dem Fenster zu lehnen."Nicht eine einzige Minute an Absage gedacht

Hatte er damals an eine Absage der gesamten Kulturhauptstadt gedacht? "Nicht eine einzige Minute", antwortete Pleitgen. Er empfinde es als Verpflichtung, die Kulturhauptstadt weiterzuführen. Allerdings sind Gedenkminuten geplant - etwa zu Beginn der "Sinfonie der Tausend" am 12. September in Duisburg. Die vier Programmdirektoren wollen in der kommenden Woche diskutieren, ob das Thema noch in einer speziellen Veranstaltung aufgegriffen wird. Falls eine Abschlussveranstaltung finanziert werden kann, soll sie ebenfalls zum Teil der Erinnerung dienen.Keine Gigantomanie Beide Geschäftsführer wehrten sich gegen die Kritik, die Kulturhauptstadt leide an Gigantomanie oder gar Größenwahn. Schließlich habe es nur fünf Großveranstaltungen geben. Die Bevölkerung habe sie gern angenommen, betonte Pleitgen. Sein Rat an die Metropole Ruhr könne nur lauten: "Schaffen Sie Gemeinschaftserlebnisse." Auf die Frage, ob das Still-Leben stattgefunden hätte, wenn zuvor das Loveparade-Unglück geschehen wäre, rief Pleitgen spontan: "Nein. Das hätte ich mich nicht getraut." Aber auch aus Respekt vor den Opfern hätte man absagen müssen, fügte er hinzu. Die "Metropole im Werden" diskutieren Das letzte Drittel der Kulturhauptstadt wird dazu dienen, das Ruhrgebiet als "Metropole im Werden" zu diskutieren. Tagungen wie ein Symposium zur Umnutzung von Kirchen (22.-25.9., Oberhausen) oder "Metropolis Ruhr" (25.-27.11., Dortmund) sollen den Weg bahnen ins Jahr 2011. Im Herbst will Ruhr.2010 Vorschläge vorlegen, wie die Zusammenarbeit der Kultur-Akteure im Ruhrgebiet erhalten bleiben könnte. Oliver Scheytt: "Alle spüren die Verantwortung, aus der Kulturhauptstadt etwas zu machen."

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