Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die hohe Kunst der Komödie

MÜLHEIM Zum Abschluss seiner Reihe geht der Meister selbst mit auf die Bühne. Und bei dieser Rolle scheint es auch beinahe zwingend. Roberto Ciulli, Intendant des Mülheimer Theaters an der Ruhr und Regisseur, gibt selbst den Theaterdirektor namens Campese.

von Von Karsten Mark

, 16.12.2007

  In Eduardo de Filippos "Die Kunst der Komödie" ist es eben jener Campese, der all die Turbulenzen auslöst, die die neue Präfektin in irgendeinem kleinen Ort in Italien zu erleiden hat. Mit der dritten Premiere am Samstag und der Aufführung aller drei De-Filippo-Stücke am Sonntag erlebte am Wochenende Roberto Ciullis kleine Werkschau ihren Höhepunkt.

Frust mit der Verwaltung

De Filippo hat in die Figur des Präfekten, der im Original ein Mann ist, unverkennbar seine frustrierenden Erfahrungen mit der italienischen Verwaltung verarbeitet. Denn der Präfekt hat von nichts eine Ahnung, aber er trifft ständig Entscheidungen. Campese, der Theaterdirektor, dem sein Theater abgebrannt ist, muss dies als erster im neuen Ort erfahren. Die Präfektin - glänzend gespielt von Petra von der Beek - verweigert ihm jede Hilfe. Nicht einmal eine Vorstellung will sie sich ansehen. Das Theater sei selber daran schuld, dass kein Publikum mehr käme, sagt sie, statt das wirkliche Leben zu zeigen, müsse lasse es das Publikum "ersaufen in einem Meer von Symbolen".

Die Präfektin wird in die Irre geführt

Campese schickt sie fort, um ihre Ruhe zu haben, doch damit geht der Spaß erst richtig los - und zwar auf ihre Kosten. Alle Welt klagt ihr ihr Leid, tischt ihr bizarre Geschichten auf, will Hilfe und fordert Entscheidungen. Als die Präfektin endlich Verdacht schöpft, dass die Theatertruppe ihr eine Lektion erteilen will, unterläuft ihrem Beamten Giacomo (Fabio Menéndez) ein folgenschwerer Irrtum. Den angedrohten Selbstmord des Apothekers tut er als Komödie ab und hat bald darauf eine Leiche auf dem Sofa liegen.

Mit herrlich trockenem Humor

De Filippos spätes Werk von 1964 verspricht in seinem Titel nicht zu viel. In ihm zieht der reife Komödiant alle Register - was Ciulli und seine Schauspieler mit herrlich trockenem Humor auf die Bühne bringen. Nach dem Frühwerk "Verrückt" und der tragisch gefärbten Nachkriegskomödie "Diese Gespenster" bietet "Die Kunst der Komödie" eine weitere Steigerung und setzt einen wirkungsvollen Schlusspunkt. Vor allem die beiden späteren Werke vermitteln einen guten Eindruck von den gesellschaftlichen Verhältnissen im Nachkriegsitalien - von italienischer Mentalität und Humor sowieso. In jedem Falle lohnt es sich, alle drei Stücke anzuschauen. Der Zusammenhang allerdings ist lose. Jedes steht für sich, einen bestimmten Zeitgeist und auch einen eigenen Stil de Filippos.

 Termine: 28.12./27.1. Karten unter Tel. (0208) 5 99 01 88.