Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Dirigent Nézet-Séguin als Verführer und Draufgänger

Konzerthaus Dortmund

DORTMUND. Eigentlich ist die Domäne des kanadischen Dirigenten Yannick Nézet-Séguin Musik von Bruckner, Strawinsky, Schostakowitsch, Mahler. Alles, was knallt – obwohl es da bei dem frisch gekürten „Dirigenten des Jahres“ der Echo-Verleihung auch immer viele Zwischentöne gibt. Am Freitag im ausverkauften Konzerthaus durfte sich das Publikum in den feinsinnigen Poeten Nézet-Séguin verlieben.

22.11.2014
Dirigent Nézet-Séguin als Verführer und Draufgänger

Pianist Lars Vogt (l.) und Dirigent Yannick Nézet-Séguin im Konzerthaus Dortmund.

Was der mit dem London Philharmonic Orchestra, dessen Erster Gastdirigent er ist, für eine „Unvollendete“ von Schubert in den Saal zauberte, war vollendet schön. So leise, so rund und perfekt, so detailbewusst und durchhörbar ist das zweisätzige Fragment selten aus dem Nichts aufgestiegen. Da hörte man auch Nebenstimmen, die sonst schlicht untergehen. Da hat der sonst so temperamentvolle, gestüme Dirigent den Lied-Melodiker Schubert ernst genommen und differenziert ausgelotet.

Danach schien es der 39-Jährige aber kaum abwarten zu können, den Saal wieder beben zu lassen, stürmte aufs Pult und stürzte sich mit Elan in den „Don Juan“ von Richard Strauss. Der war zwischendurch auch ein Verführer mit zärtlichen Tönen, aber meist ein emotionaler Draufgänger.

Der Meilenstein des Abends stand am Beginn: das zweite Klavierkonzert von Brahms mit dem großartigen Lars Vogt als Solist. Ein einstündiges Epos, das Solist und Dirigent mit packender Intensität und Spannung füllten. Nézet-Séguin ist ein Durchlauferhitzer des Klangs, ein Kraftwerk, das unermüdlich Energie erzeugt und auch auf dieses glänzende Orchester übertrug.

Wie Schumann mit einem kleinen Stachel klang dieser Brahms: fordernd und furios, brillant gespielt von dem 44-jährigen Pianisten, der seinen Part hervorragend in die Sinfonik einpasste. Und das Orchester spielte so, als sei es selbst ein Solist – nicht nur die Solocellistin mit ihrem goldenen Klang im Solo des dritten Satzes. – Ein Ereignis, wie alle Konzerte des Dortmunder Exklusivkünstlers.