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Oper am Rhein in Duisburg

Don Giovanni als finsterer Auslöser weiblicher Begierden

DUISBURG Was hat Don Giovanni mit Odysseus zu tun? Karoline Gruber setzt Mozarts Schwerenöter bei ihrer "Don Giovanni"-Inszenierung an der Rheinoper in Beziehung zu dem Irrfahrenden aus Ithaka. Ihre These: Von beiden "Helden" geht eine starke Energie aus, die sich auf die jeweilige Umwelt überträgt. Und der als Mann in Schwarz auftretende Don Giovanni repräsentiert das dunkle, begehrende anarchische Element der menschlichen Natur.

Don Giovanni als finsterer Auslöser weiblicher Begierden

Auf Brautfang: Don Giovanni (Laimonas Pautienius) mit Donna Elvira (Nataliya Kovalova, l.) und Donna Anna (Olesya Golovneva).

Die Koproduktion mit der Tokyo Nikikai Opera Foundation, die am Freitagabend im Theater Duisburg trotz Fußball-EM ein großes Publikum begeisterte, wird szenisch dominiert von einem Gemälde Arnold Böcklins, das die blonde, barbusige Meeresnymphe Kalypso zeigt. Odysseus, oben links im Bild, ist nicht der männliche Eroberer, sondern nur der Auslöser weiblicher Begierde. Genauso deutet Karoline Gruber auch Mozarts Don Giovanni und seine Wirkung auf die Frauen. Donna Anna gibt sich ihm da keineswegs erzwungen hin und die als barocke Diva angelegte Donna Elvira versucht ihn durch eine vorgetäuschte Schwangerschaft an sich zu binden.

Spukschloss

Die Allgemeingültigkeit der Don-Juan-Geschichte wird durch die Kostüme unterstrichen. Zerlina und Masetto kommen als junge Menschen von heute daher, die es bereits während der Ouvertüre in das Spukschloss mit Personal aus der Mozartzeit verschlägt. Das faszinierende, sich nach hinten erweiternde, mehrfach gekippte Bühnenbild von Roy Spahn lässt alle auf die schiefe Bahn gelangen und die Welt zuletzt ganz aus den Fugen geraten. Insgesamt findet so viel an Bebilderung statt, dass sich die Musik schwer tut, sich zu behaupten. Das Sehen lenkt vom Hören ab. Eine Folge des pausenlosen Aktionismus auf der Bühne: Wiederholt klappt die Abstimmung zwischen Orchester und Solisten nicht.

Schauspielerisch stark

Laimonas Pautienius ist als Don Giovanni zwar schauspielerisch stark, stimmlich aber eher unauffällig. Nataliya Kovalova (Donna Elvira) und Olesya Golovneva (Donna Anna) klingen hochdramatisch, Letztere mit glockenklaren Spitzentönen. Roman Polisadov ist ein stählern-autoritativer Komtur. Alma Sadé (Zerlina) und Adam Palka (Leporello) gefallen mit feinem, schlankem Mozartgesang. Die Duisburger Philharmoniker spielen unter Friedemann Layer mäßig inspiriert. Reizvoll ist die Besetzung der Rezitative mit Hammerklavier und Solocello.


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