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Buchkritik

Donna Leon: „Heimliche Versuchung“

Kein Toter, kein Mord, aber Brunetti ermittelt trotzdem. Im 27. Fall der Reihe fordert Donna Leon die Leser mit einer Geschichte auf sehr verschlungenen Wegen heraus.

Donna Leon: „Heimliche Versuchung“

Venedig im November: Nebel hängt über der Stadt, die Touristenströme sind etwas verebbt. Und Kommissar Guido Brunetti hat nicht viel zu tun. Der 27. Krimi der Bestseller-Reihe von Donn Leon heißt „Heimliche Versuchung“ und kommt ganz ohne einen Toten aus.

Auf der Wache erscheint eine Bekannte von Brunettis Ehefrau Paolo. Sie sorgt sich um ihren Sohn, weil auf dessen Schulhof offenbar Drogen verkauft werden. Dann wird ihr Ehemann im Koma ins Krankenhaus eingeliefert. Brunetti ermittelt an der Schule und sucht Verbindungen ins Drogenmilieu. Allerdings verlaufen diese Spuren fast alle im Sande.

Kommissar Zufall

Auf sehr verschlungene Wege führt Donna Leon die Leser in dem Krimi, in dem Brunettis Familie und seine Kollegen in der Questura eine größere Rolle spielen als in manch anderem der vorherigen 26 Bücher. Richtigen Spürsinn beweist der Commissario diesmal zunächst nicht, Kommissar Zufall spielt eine Rolle, als plötzlich Apotheken-Gutscheine auftauchen. Und dann gehen die Ermittlungen in eine ganz andere Richtung.

„Heimliche Versuchung“ ist ein Buch über illegale Geschäfte von Apothekern und Ärzten, über Demenzerkrankungen und Jugendliche. Dieser Krimi gehört nicht zu den besten Brunettis, weil Donna Leon manche Handlungsstränge zu schnell links liegen lässt und sie nicht zu Ende erzählt. Auch die, in denen Paola und Guido zu Hause griechische Sagen wie „Antigone“ lesen und diskutieren.

Stringenz fehlt

Wenn diese Nebenerzählungen und die Ermittlungen raffinierter zu einer Geschichte zusammengesetzt wären, könnten die Leser dem Krimi besser folgen. So bleibt es eine Aneinanderreihung von Episoden, die zwar viel Atmosphäre haben und am Schluss zwar spannend sind und ein unerwartetes Ende finden, aber die Stringenz fehlt.

Nebenbei gibt es wieder leise, fein ausformulierte Kritik am Touristenboom in der Lagunenstadt, die in diesem November fast schöner erscheint als in den Brunetti-Krimis, die im Sommer spielen.

Donna Leon: Heimliche Versuchung, 320 S., Diogenes, 24 Euro, ISBN 978-3-2570-7019-4.

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