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„Aida“ als ein schlicht-pompöses Gefühlsdrama am Nil

Auftakt-Premiere der Oper

Mit drei Premieren in drei Tagen eröffnet die Oper Dortmund die Intendanz von Heribert Germeshausen. Den Auftakt machte Giuseppe Verdis „Aida“: zu Beginn etwas statisch, aber eindrucksvoll.

Dortmund

, 06.10.2018
„Aida“ als ein schlicht-pompöses Gefühlsdrama am Nil

König Amonasro (Mandle Mndebele) schleudert seine Tochter Aida (Elena O‘Connor) in den Nil. Mit 1800 Litern Wasser plätschert der Fluss in der Inszenierung der Verdi-Oper über die Bühne des Dortmunder Opernhauses. © Björn Hickmann

Wie wohltuend ist es, nach vielen Jahren im Dortmunder Opernhaus mal wieder eine Inszenierung zu sehen, bei der der Vorhang während der Ouvertüre geschlossen bleibt. Diese ruhige Erzählweise, bei der die Musik im Vordergrund steht, setzt sich in Jacopo Spireis Inszenierung von Verdis „Aida“ fort.

Eine dekadente Gesellschaft feiert Party zum Triumphmarsch

Einen zeitlosen Raum in den warmen Farben Afrikas, mit kleinen stilisierten (Pyramiden)-Details, hat Nikolaus Webern gebaut. Am Konferenztisch verhandeln die Ägypter Kriegsstrategien gegen die Äthiopier. Sklavinnen, darunter die ägyptische Prinzessin Aida (Elena O‘Connor), servieren Getränke.

Spirei setzt auf Tableaus, auf schöne Bilder, die schlicht sind, aber doch pompös wirken. Dadurch wirkt seine Inszenierung in den ersten beiden Akten vor der Pause etwas statisch. Nur im Triumphmarsch bricht er das, öffnet einen verspiegelten Saal, in dem der gewohnt präsente und spielfreudige Opernchor als dekadente ägyptische Damen-Gesellschaft in Goldroben und mit Designertäschchen (Kostüme: Sarah Rolke) Party feiert. Dazu passt sehr schön der coole ägyptische Dandy-König (Denis Velev).

Der Nil fließt mit 1800 Litern Wasser über die Opernhausbühne

Die Dortmunder Philharmoniker lassen Fanfaren und Aida-Trompeten aus dem Foyer durch die geöffneten Saaltüren klingen. Das Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz hatte bei der Premiere am Freitag auch in den intimen musikalischen Passagen starke Momente, klang aber nicht makellos und manchmal etwas wackelig zum Auftakt dieses Premierenmarathons.

Stärker hat Spirei die beiden letzten Akte inszeniert. Intime Szenen am Nilufer und am Schluss in der (Plexikasten-)Todeszelle für Radames und Aida haben große emotionale Wirkung und fordern auch die Spielfreude der Sänger mehr heraus. Mit viel Aufwand lässt das Theater den Nil mit 1800 Litern Wasser über die Bühne plätschern. Man muss allerdings schon schmunzeln, wenn die Sänger durch den Strom wie durch eine Pfütze laufen.

Zum neuen Dortmunder Opernensemble gehören großartige Solisten

Gesungen wird von dem fast komplett neuen Ensemble großartig. Elena O‘Connor gibt der Aida viel Wärme und auch musikalisch emotionale Tiefe. Hyona Kim ist als Aidas Rivalin Amneris auch stimmlich vortrefflich besetzt. Mit ihrem hochdramatischen Riesensopran legt sie eine fast schneidende Gefühlskälte in diese Rolle und lässt trotzdem ihre Stimme nie scharf klingen.

Tenor Hector Sandoval blieb als Radames neben den beiden Damen, die um seine Gunst buhlen, etwas blass. Eine Verdi-Stimme hat der Dortmunder Gastsänger, aber er muss sich noch freisingen.

Bariton Mandla Mndebele avancierte als Aidas Vater Amonasro dagegen schon fast zum Publikumsliebling. Einen starken Bariton, der samtweich, aber auch gefährlich dramatisch klingen kann, hat der Südafrikaner. Und überaus spielfreudig ist er auch.

Ovationen im Stehen

In den großen Jubel und die Ovationen im Stehen im fast ausverkauften Haus mischten sich einzelne Buhrufe für die Regie. Als Puppenspiel-Inszenierung beendet Rossinis „Barbier von Sevilla“ am Sonntagabend den Premierenreigen.

Termine: 19. /21. / 27.10., 1. / 4. / 18. / 28. 11., 15. / 23.12., 13.1.; Karten: Tel. (0231) 5027222.
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