Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Dortmund hat ein neues Traumpaar des Tanzes

Ballett "Faust II"

"Ist hier heute etwas Besonderes los?", fragt die Spaziergängerin im Dortmunder Westfalenpark und schaut vor dem Ballettzentrum neugierig auf Marlon Dino. "Nein, nur Probe", sagt der Tänzer. "Aber ein mit zwei Weltstars", fügen wir hinzu: "Marlon Dino tanzt in allen großen Häusern auf der ganzen Welt und jetzt "Faust II" in Dortmund. "Ich weiß nicht, was ein Ballettstar ist", winkt Dino ab: "Ich bin Tänzer".

DORTMUND

, 10.10.2016
Dortmund hat ein neues Traumpaar des Tanzes

Lucia Lacarra und Marlon Dino gehören zur Weltspitze. Jetzt tanzen sie in Dortmund.

Die Spaziergängerin will sich jetzt Karten für die Premiere von Xin Peng Wangs neuer Kreation am 29. Oktober im Dortmunder Opernhaus kaufen. Und Marlon Dino und seine Partnerin Lucia Lacarra tanzen dann die Hauptrollen: Faust und Helena.

Es sind zwei bescheidene, sehr sympathische Stars, wir im Ballettzentrum treffen. Ihr Wechsel vom Bayerischen Staatsballett in München, das 14 Jahre Heimat des Paars war, nach Dortmund, wo sie seit dieser Spielzeit ständige Gastsolisten sind, ist so, als würde Thomas Müller vom FC Bayern zum BVB wechseln: eine Sensation.

"Glamour macht den Tanz nicht besser"

Für Lucia Lacarra nicht. "Die Menschen machen einen Star, aber Glamour macht den Tanz nicht besser. Ich bin auf der Bühne ein Star, im Leben nicht. Wir machen die Menschen glücklich, mit dem, was wir tun. Das ist wichtig", sagt die Tänzerin, die in Dortmund ganz unerkannt zum Bäcker gehen kann. In der Nähe des Westfalenparks hat das Paar ein Appartement gemietet, die Wohnung in München haben sie behalten.

Dass Dortmund eine Fußball-Stadt ist, hat Lucia Lacarra schon bemerkt: "Ich sammele Postkarten von Städten, in denen ich auftrete. In Dortmund ist es schwierig, eine zu finden, auf der nichts vom BVB steht."

Überragender Tänzer: 1,95 Meter groß

Marlon Dino wäre ein besserer Basketball- als Fußballspieler. Er ist 1,95 Meter groß - ungewöhnlich für einen Tänzer. "Die Größe ist anstrengend für den Körper", sagt der Tänzer, der sieben Sprachen spricht, darunter Deutsch mit bayerischem Akzent. "Manchmal ist es für mich etwas gefährlich, wenn er mich so hochhebt", lacht Lucia Lacarra.

Seit zehn Jahren ist das Tanzpaar auch ein privates Paar, seit sieben Jahren mit Trauschein. Die 18 Monate junge Tochter spaziert während der Probe mit den Großeltern durch den Westfalenpark. "Sie ist auch schon sehr groß. Es wird schwierig für sie, Tänzerin zu werden", sagt die Mutter, aber sie darf machen, was sie möchte".

Fasziniert von einer Spieluhr

Tanzen sieht das Kind die Eltern zu Hause nicht. "Wir haben ein ballettfreies Haus und ein ganz normales Leben, nur dass wir eben 24 Stunden am Tag zusammen sind", sagt Lacarra.

Die 41-jährige wollte tanzen, seit sie sprechen konnte. Sie ist im spanischen San Sebastián geboren, eine Ballerina kannte sie von der Spieluhr der Eltern. So anmutig wollte sie sich auch drehen können. In Madrid hat sie studiert, 2002 wurde sie Erste Solistin am Staatstheater München - zeitgleich mit ihrem späteren Ehemann, dem Albaner Marlon Dino.

Der hat er mit 14 Jahren begonnen, zu tanzen. "Viele haben gesagt, dass ich das nicht lernen könnte. Ich wollte das Gegenteil beweisen. Letztlich ist Technik das Allerwichtigste", sagt der Tänzer.

"Der neue Ballettchef hatte keinen Respekt"

Im September hat der neue Münchner Ballettchef, der Russe Igor Zelensky, sein Amt angetreten. Im Gespräch mit dem Paar hat er nur auf sein Handy geschaut, und nach seinen Plänen sollten die Publikumslieblinge nur noch in einer Produktion zu sehen sein.

Das Dortmunder Ballett hat das Paar, das schon bei Galas in Dortmund getanzt hat, mit offenen Armen aufgenommen. "Zelensky war nicht wichtig, was wir tun. Er hat sich keine Mühe gegeben, uns zu verstehen", sagt Dino.

"In anderen europäischen Ländern und den USA ist der gegenseitige Respekt größer. In Russland haben die Tänzer Angst", ergänzt Lacarra: "Gastspiele hat uns Zelensky auch nicht erlaubt. Wir haben keine Zukunft mehr in München gesehen."

Arbeiten wie in einer Familie

In Dortmund gefällt beiden die Arbeit mit Ballettchef Xin Peng Wang und der Compagnie sehr. "Wir erarbeiten "Faust II" gemeinsam. Xin Peng ist sehr offen und hat keine fixen Ideen. Er kreiert dieses Ballett für und mit uns", freut sich Lucia Lacarra.

Die Compagnie, mit der das Paar jetzt tanzt, ist kleiner als die Zahl der Tänzer, die München verlassen haben als der neue Ballettchef kam. "Ich habe in Madrid in einer Compagnie gearbeitet, in der es nur 22 Tänzer gab. Und in Dortmund herrscht eine tolle Atmosphäre. Hier will jeder arbeiten, die Compagnie ist wie eine Familie. Wir fühlen uns wohl" , erzählt Lacarra."

"Dortmund ist offener"

Das Publikum haben beide bei den Galas kennengelernt. "Die Menschen hier sind offener. Sie haben bei modernem Tanz genauso gejubelt wie beim Spitzentanz. München ist viel konservativer", sagt Lucia Lacarra: "Und wenn man in München in Jeans ins Nationaltheater geht, gucken Dich die Leute zweimal an. Das ist hier lockerer. Wie soll man sonst auch junge Leute dazu bringen, ins Ballett zu gehen? Es muss sein wie Kino, zur Unterhaltung".

Ans Aufhören denken beide noch nicht. Aber wenn, möchte Lucia Lacarra Ballettmanagerin werden. "Ich liebes es, zu organisieren", sagt sie, "mehr als Tanzlehrerin zu sein. Das muss man gut machen, das kann nicht jeder. Und als Choreografin fehlt mir die Kreativität." Wie kreativ beide als Tänzerin sind, wird das Publikum in "Faust II" sehen.

Diese Termine von "Faust II - Erlösung!" tanzen Lucia Lacarra und Marlon Dino im : Premiere am 29.10., 13./19.11., 2.4., 6.5., 2./ 8.6.; Karten: Tel. (0231) 5027222.