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"Theater-Oscar"

Dortmunder Schauspielchef Kay Voges für "Faust" nominiert

DORTMUND Sein Theater ist cool, frech, schnell und zeitgemäß. Technik benutzt er so selbstverständlich, wie es die Generation Smartphone nun mal tut. Erstaunlich ist also nicht, dass der Dortmunder Schauspielchef Kay Voges für den Theater-Oscar "Faust" nominiert ist. Erstaunlich ist, dass der gute Ruf des Ruhrgebiets offensichtlich bis nach Berlin gedrungen ist.

Dortmunder Schauspielchef Kay Voges für "Faust" nominiert

<p>Lieber trägt er Lederjacke: Der Dortmunder Schauspieldirektor Kay Voges wird sich zur Faust-Verleihung aber wohl in einen dunklen Anzug werfen müssen.

Denn neben Voges sind auch die Gelsenkirchener Ballettchefin Bridget Breiner und Andrea Kramer, Leiterin des Consoltheaters Gelsenkirchen, in den Sparten "Tanz" und Jugend-Theater nominiert.Mit Krawatte?

Aber gerade in der Abteilung "Regie Schauspiel" muss Voges gegen zwei Stars antreten: Luk Perceval und Michael Thalheimer. Mit Krawatte oder ohne? "Überlege ich noch", sagt der 41-jährige Voges. Denn die Verleihung findet nach Oscar-Manier statt, erst während der Zeremonie werden die jeweiligen Sieger bekannt gegeben.

Dass er mit seiner Inszenierung "Das Fest" nach dem Film von Thomas Vinterberg nur eine Außenseiterchance hat, weiß Kay Voges. Perceval hat Falladas "Jeder stirbt für sich allein" am Thalia Theater Hamburg gezeigt, Thalheimer die "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Horváth am Deutschen Theater Berlin - also näher dran an den Mitgliedern der Akademie der Künste, die letztlich entscheiden. Wer aber "Das Fest" in Dortmund aber gesehen hat, erlebte - so formulierte es unser Kritiker - "einen grandiosen Abend, der keine Minute langweilt. Ein Bravourstück."

Ein Kamera-Roboter

Schon ein Dreivierteljahr vor der Premiere im Februar 2013 hätten sie ausgeheckt, "zusammen eine Erfindung zu machen", erzählt Voges. Das war der Kameraroboter. Ein seltsames Gerät, das die Spielfläche umkreist und intensive Bilder liefert. "Das bekommt man sonst im Theater nicht", sagt Voges selbstbewusst. Das sei echte Team-Arbeit gewesen, deswegen reisen jetzt alle sechs "Erfinder" nach Berlin.In Dortmund probt der Schauspielchef derzeit seine erste Oper. Wagners "Tannhäuser" hat am Samstag, 1. Dezember, Premiere im Opernhaus. Konservative Musikfreunde munkeln schon von "Skandal". "Keine Sorge, ich lasse den Tannhäuser nicht im Stripteaselokal spielen", lächelt Voges.Anspruchsvoller Ansatz Er hat die Oper mit dem Roman "Die letzte Versuchung Christi" des berühmten Autors Nikos Kazantzakis ("Alexis Sorbas") verschnitten - ein anspruchsvoller Ansatz. Es geht um zwei Erlöserfiguren: Tannhäuser verlasst den sinnlichen Venusberg, um die heilige Liebe zu finden. Im Roman steigt Christus vom Kreuz herab, um eine Familie zu gründen. Dieses Dilemma des Menschen zwischen dem Dionysischen und der Moral interessiert Voges.

Wer ihn kennt, weiß allerdings, dass es ohne Technik nicht abgehen wird. 15 Monitore und zwei Großbildleinwände stehen bereit. Mit Hochgeschwindigkeitskameras hat Video-Spezialist Daniel Hengst Filme gedreht, die extreme Zeitlupen ermöglichen. "Der Augenblick wird zum Ereignis", sagt Voges. Also ganz wie in Wagners Werk. Überhaupt ist der Regisseur überzeugt: "Wenn Wagner heute leben würde, würde er Filme machen. Oder Filme in der Oper."

 

 

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