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Webserie Heimatkino.ruhr

Drei Filmfans würdigen die Kinos im Revier

Dortmund Als die Kinos ihrer Umgebung nach und nach dicht machten, haben sich Daniel Huhn und Stefan Kreis gefragt, was aus den Orten wird ohne die Filme. Mit Regisseur Benjamin Leers von der Produktionsfirma Benda Film entstand die Idee, einen Film über die Orte zu drehen fernab der etablierten Kinokolosse. Auf der Homepage Heimatkino.ruhr stellen die Filmemacher sieben Häuser episodisch vor, und es gibt eine einzigartige Karte.

Drei Filmfans würdigen die Kinos im Revier

Drei Filmemacher zeigen, dass es im Ruhrgebiet nicht nur Multiplexe gibt. Foto: Benda Film

Kinos, die es nicht mehr gibt, in einem Film zu zeigen, gestaltet sich schwierig. „Wir wollten nicht in Nostalgie verfallen und deutlich machen, dass es auch neue Konzepte gibt“, erklärt Huhn. So zeigt der Film neben Archivmaterial auch alternative Kinos, die funktionieren – und stimmt sogar optimistisch.

Ästhetische Nahaufnahme

Sieben kurze Filmausschnitte und ein Trailer stehen seit Anfang Mai auf der Homepage des Projekts Heimatkino. Jede dieser Episoden porträtiert ein Ruhrgebietskino und folgt den Menschen, die dort arbeiten oder Filme schauen: der Mann am Schalter, der Vorführer, der Kinofan aus der Nachbarschaft.

Die Kamera zeigt sie ganz nah und unverstellt – in ästhetischen Bildern, langen Schnitten, die Ruhe vermitteln. Ruhig ist es ohnehin: Es gibt keine Stimme aus dem Off, nur die Kinomenschen erzählen ihre Geschichte. Untermalt wird die in herrlicher Tristesse von Filmmusik. Das wirkt echt und passt. Leider sind die O-Töne teils unverständlich, oder es ist unklar, wer spricht. Überhaupt fallen kaum Namen, ein klärender Schriftzug hätte geholfen.

Karte gibt Überblick über die Kinolandschaft

Eine Karte auf der Homepage zeigt: Einst gab es über 500 Kinos im Ruhrgebiet, heute sind etwa 50 geblieben. Noch weniger sind bekannt. Die Filmemacher haben verschiedene Typen mit spannender Architektur oder Geschichte besucht.

So etwa die Film-Bühne Postkutsche in Dortmund Aplerbeck: Es ist eines der letzten Vorstadtkinos. Die Geschichte eines inzwischen alten Mannes, der in den 50er-Jahren vom Kinderzimmerfenster aus die Kinofilme der Postkutsche verfolgte, passt wunderbar. Die Episode zeigt auch, wie das Kino vor der Schließung bewahrt wurde.

Webserie Heimatkino.ruhr

Die Filmemacher Benjamin Leers (l.) und Daniel Huhn (r.) von der Produktionsfirma Benda Film stellen mit dem Projekt Heimatkino eine Auswahl besonders charakteristischer Ruhrgebietskinos vor. Ein dritter Filmemacher, Stefan Kreis, ist Teil des Projekts und hat die Idee  mitentwickelt. Foto: Benda Film
Die Film-Bühne Postkutsche in Dortmund Aplerbeck ist eines der letzten Vorstadtkinos. Der Film betont, wie wichtig einem Nachbarn die Nähe zum Kino ist. Foto: Benda Film
Die Webserie stellt auch neuere Kinokonzepte vor: so etwa das Sweetsixteen in der Dortmunder Nordstadt, das im Oktober 2009 eröffnet hat. Foto: Benda Film
Im Programmkino Sweetsixteen laufen vor allem nicht-kommerzielle Filme. Die Episode zeigt, dass in diesem Kino der Dialog nach dem Film eine besondere Rolle spielt. Foto: Benda Film
Das Drive In in Essen ist ein Autokino. Der Film dazu porträtiert auch die Menschen, die dort arbeiten. Hupende Autos und Scheinwerferlicht in der Nacht geben ein schönes Schlussbild. Foto: Benda Film
Im Drive In können Kinobesucher Filme durch die eigene Windschutzscheibe verfolgen und die Lautstärke selbst anpassen. Foto: Benda Film
Die Lichtburg ist wohl das bekannteste Kino der Serie; das wird direkt klar, wenn Katja Riemann bei einer Premiere über den roten Teppich läuft. Doch das Kino hat einen harten Kampf hinter sich. Foto: Benda Film
Das Metropolis Bochum ist eines der letzten Bahnhofskinos. Das besondere Flair dieses Ortes fängt der Film dazu hervorragend ein. Foto: Benda Film
Das Metropolis gibt es seit über 60 Jahren. Es finden neben den Filmvorführungen auch Live-Events statt. Foto: Benda Film
Im Filmforum Duisburg gibt es ein großes Archiv. Die Episode zum Kino bietet einen Blick in die langen Regale mit Filmen und Plakaten. Foto: Benda Film
Die Webserie Heimatkino.ruhr blickt auch hinter die Kulissen und zeigt die Vorführräume verschiedener Kinos. Foto: Benda Film
Die Episode zum Filmclub Buio Omega hebt die Beziehung zu den Kinobesuchern hervor. Sie entscheiden, was auf der Leinwand läuft. Foto: Benda Film

Dieses Schicksal stand auch der Lichtburg Essen bevor, die Schauspielerin Katja Riemann im Film als „wirklich großartiges Kino“ bezeichnet. Der kultigen Kinobetreiberin Marianne Menze merkt man in der Episode an, wie sie für die Lichtburg lebt. Dazu gibt es passende Archivbilder aus dem Essener Stadtrat zum Beschluss über den Erhalt des Premierenkinos.

Eines der letzten Kinos seiner Art

Den besonderen Ort des Bahnhofskinos Metropolis setzt die Episode aus Bochum in Szene: Im Vordergrund spult eine Filmrolle, durch ein Fenster dahinter ist zu sehen, wie ein Zug einfährt. Es ist eines der letzten Kinos seiner Art, und „viele sehen es nicht“, so Theaterleiterin Sigrid Switala. Wenn sie zum 60. Geburtstag des Metropolis‘ bunte Luftballons mit Helium befüllt, wünscht man dem Bahnhofskino, dass jegliche Züge still stehen; der Raum füllt sich im Zeitraffer nur mit einer Handvoll Besuchern.

Völlig anders beim Filmclub Buio Omega Gelsenkirchen: In stimmiger Westernmanier ist die Folge gestaltet. Drei aufgereihte Kinofiguren erzählen vom besonderen Besucherkult des Clubs.

Zweite Staffel nicht ausgeschlossen

Neben diesen Kinos stellt die Serie das Essener Autokino Drive In atmosphärisch gelungen vor und das Filmforum Duisburg. Dass urige Kinos nicht alt sein müssen, zeigt die Folge zum Dortmunder Sweetsixteen. Es hat erst im Oktober 2009 eröffnet.

Der zusammenhängende Film mit allen Episoden ist in der Nachproduktion. Er soll in den Sälen selbst laufen. Für die Homepage und vor allem die Kinokarte bekommen die Filmemacher viele Anregung – eine Art zweite Staffel will Daniel Huhn nicht ausschließen.

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