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Bilderrahmen vom Flohmarkt

Ehepaar findet per Zufall Rembrandt-Radierung

GELSENKIRCHEN Es ist eine Geschichte, wie man sie sich nicht besser hätte ausdenken können: Ein Ehepaar kauft auf einem Antikmarkt in Amsterdam für ein paar Euro einen alten Rahmen, fünf Jahre lang liegt er danach unbeachtet in der Ecke. Als sie ihn dann öffnen, machen sie einen schier unglaublichen Fund.

Ehepaar findet per Zufall Rembrandt-Radierung

Andrea Gosen und Josef Bölting präsentieren die Reproduktion ihrer Rembrandt-Radierung »Die große Kreuzabnahme«, die sie in ihrer Gelsenkirchener Galerie aufgehängt haben. Drumherum der restaurierte Rahmen vom Antikmarkt.

Hinter dem eingerahmten schmuddeligen Kalenderblatt, etwas Blumiges ist darauf abgebildet, kommt eine Rembrandt-Radierung zum Vorschein. Es zeigt das Motiv „Die große Kreuzabnahme“, niederländische Kunstexperten halten sie für echt.

Ein Rembrandt in der Emscherstadt: Ihre Geschichte haben Andrea Gosen und ihr Mann Josef Bölting in den letzten Tagen oft erzählt. „Das ist so à la Rosamunde Pilcher – und ich wäre schon längst ausgestiegen, mit den Worten: So etwas gibt’s doch in der Realität gar nicht“, sagt Andrea Gosen. Die beiden sind selbst Künstler und führen die Galerie kitoART in der Gelsenkirchener Innenstadt. Hier haben sie auch eine Reproduktion ihres Fundes ausgestellt, selbstverständlich in dem Rahmen, der ihnen diese Geschichte bescherte. Das Original lagert derweil sicher in einem Tresor, in den nächsten Tagen soll es in das Amsterdamer Rijksmuseum überführt werden. In weiteren Untersuchungen wollen Experten Alter und Herkunft der Radierung bestimmen. Die große Frage ist, ob Rembrandt sie selbst in der Hand gehabt hat.

Die Fäden laufen also wieder in Amsterdam zusammen – dort, wo vor rund fünf Jahren alles begann. Bei einem Ausflug auf einen Antikmarkt in der niederländischen Hauptstadt ist Andrea Gosen auf der Suche nach einem hübschen Rahmen für ein Bild ihres Mannes. In einem Pappkarton unter einem Stand wird sie fündig. Das Fundstück ist alt, die Oberfläche nicht mehr goldfarben, stattdessen dominiert ein gammliges Grün-Braun. Für sie ist es Liebe auf den ersten Blick – er ist entsetzt. „Mein Mann sagte zu mir: ,Das ist nicht dein Ernst.‘“ Sie beschließen, zunächst weiterzubummeln, „doch der Rahmen ging mir nicht aus dem Kopf“, erzählt sie. Sie finden den Stand auf dem unübersichtlichen Markt tatsächlich wieder, Andrea Gosen handelt den Verkäufer noch von zehn auf fünf Euro runter. „Und dann landete er zuhause erstmal in der Ecke.“

Dort bleibt er, die Jahre verstreichen. Ende 2010 kramt Andrea Gosen das Ding wieder hervor, endlich soll der Rahmen aufgehübscht werden. Sie findet hinter dem Deckblatt das Bild der Kreuzabnahme Christi. Irgendeine Kopie, denkt sie sich, legt es zur Seite und zeigt es irgendwann Josef Bölting. „Der bekam sofort Schnappatmung“, erinnert sie sich. Er erkennt, dass es sich um eine Original-Radierung handelt. Sie kontaktieren einen niederländischen Freund, der schickt sie am 20. Februar nach Echteld auf eine Veranstaltung des niederländischen TV-Formats „Schatgraven“ (Schatzgraben). Dort können Privatpersonen von Experten ihre Kleinode schätzen lassen. Die Aufregung vor Ort ist groß, erst recht, als Taxator Mark Haasnoot das Bild für echt befindet. Der Wert soll zwischen 7000 und 70 000 Euro liegen – je nachdem, wie alt es nun tatsächlich ist. „Einfach ein unglaublich schönes Erlebnis, das hat uns umgeworfen“, sagt Andrea Gosen. Und eine Frage geht ihr nicht aus dem Kopf: „Wieso musste es damals dieser Rahmen sein?“    

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