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Eine Kuppel voller Gänsehaut

„Nomanslanding“ in Duisburg

Schwimmweste anlegen? Sicherheitseinweisung? Oha, so etwas gibt sonst nur im Flugzeug. Mit einem Klack schließt sich die Weste. Jetzt nur nicht an dem kleinen Pömpel ziehen, sonst bläst sie sich versehentlich auf. Der Besuch der Kunst-Installation „Nomanslanding“ in Duisburg-Ruhrort ist ein kleines Abenteuer.

DUISBURG

, 14.08.2015
Eine Kuppel voller Gänsehaut

Sieht ein bisschen nach Ufo aus: Die Installation "Nomanslanding" ist im Eisenbahnhafen Duisburg Ruhrort gelandet,

Die Urbanen Künste Ruhr, die zur Eröffung des Festivals Ruhrtriennale alljährlich ein Kunstspektakel organisieren, sind immer für eine Überraschung gut. Jetzt also „Nomanslanding“ im Eisenbahnhafen Duisburg. Industrie-Idylle pur. 1856 baute man hier Trajekttürme, die Kohlewaggons auf Schiffe hoben. Doch der Turm auf Ruhrorter Seite wurde 1972 abgerissen, dafür entstand 2003 eine Freitreppe mitten im Nichts.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Nomanslanding in Duisburg

"Nomanslanding" heißt die spektakuläre Installation, die die Urbanen Künste Ruhr in diesem Jahr für die Ruhrtriennale realisieren. Es handelt sich um eine Kuppel aus zwei Hälften, die bis 13. September in einem Rheinhafen in Duisburg schwimmt. Wir zeigen Bilder von der Montage, vom "Stapellauf", von der Generalprobe sowie von der festlichen Eröffnung.
17.08.2015
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Bis zum 13. September 2015 ist Nomanslanding täglich von 14 bis 23 Uhr geöffnet.© Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr
Am 5. August ist die Kuppel für "Nomanslanding" zusammengesetzt worden.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Zuerst befestigte Jeremy Sparks aus Australien den "Deckel" am Kran. © Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Dann bugsierte der Kran den oberen Teil der Kuppel vorsichtig durch die Luft. © Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Das Absenken erfolgte gaaaaanz langsam.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Fast fertig.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Und ganz fertig. © Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Die Kuppel besteht aus zwei Teilen, die sich später öffnen werden.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Auf diesem Bild erkennt man gut, dass die Montage ganz nah am Rhein erfolgt, wo die Kuppel später schwimmen wird.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
So sah das Ganze zu diesem Zeitpunkt von innen aus.© Foto: Rainer Schlautmann/Urbane Künste Ruhr 2015
Einige Tage später. Am 10. August war es soweit: Ein Autokran sollte "Nomanslanding" zu Wasser lassen. Die Kuppel hatte inzwischen einen silbernen "Mantel" erhalten. Ab neun Uhr morgens wurde der Kran aufgebaut. © Foto: Jäger
Der Künstler André Dekker, der das Werk mit vier anderen Künstler entworfen hat, beobachtete den Aufbau. Barbara Köhler, eine bekannte Dichterin, kam vorbei und schaute ebenfalls zu. © Foto: Jäger
Gegen 15.45 Uhr war es soweit: Der Kran setzte die Kuppel sanft auf den Rhein.© Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Ein spektakulärer Anblick!© Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Schließlich schwamm das Kunstwerk friedlich auf den Fluten des Rheins. © Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Auf diesem Foto kann man das Umfeld gut erkennen. Das Kunstwerk wurde auf der Landzunge zusammengesetzt, weil im Eisenbahnhafen selbst kein Platz für die Arbeiten war. © Foto: Frank Vinken/Urbane Künste Ruhr
Schließlich schoben kleine Boote das Kunstwerk in den Hafen. © Frank Vinken
So sah Nomanslanding in Australien aus.© Foto: Sydney Harbour Foreshore Authority/Urbane K
Ein Blick in den Eisenbahnhafen, bevor "Nomanslanding" kam. © Foto: Jäger
Hier befindet sich eine große Freitreppe, die nun für das Kunstprojekt genutzt werden kann. © Foto: Jäger
Der Tag der Generalprobe am 13. August. "Nomanslanding" liegt jetzt im Eisenbahnhafen Duisburg-Ruhrort.© Foto: Jäger
Die fleißigen Helfer mit den Schwimmwesten warten schon auf die Besucher. © Foto: Jäger
Aber wie legt man die Dinger bloß an?© Foto: Jäger
Auch die Mitarbeiter legen noch letzte Hand an.© Foto: Jäger
Schließlich sind alle mit Westen versorgt und dürfen die Kuppel betreten. © Foto: Jäger
Gegenüber sitzt die Gruppe mit den jeweils andersfarbigen Schwimmwesten. © Foto: Jäger
Auch Katja Aßmann (l.), Leiterin der Urbanen Künste, war zur Probe gekommen. Neben ihr die Künstlerin Robyn Backen aus Australien, die mit vier anderen Kollegen "Nomanslanding" entworfen hat. © Foto: Jäger
Katharina Thienel (im weißen Kleid) sang bei der ersten Generalprobe das bewegende Klagelied. Sie wird sich mit den jungen Sängern Emily Dilewski, Stefanie Koch und Sookwang Choo abwechseln. © Foto: Jäger
Die Eröffnung und damit die Europapremiere fand am 15. August statt. Rund 670 Menschen nutzten gleich am ersten Tag die Gelegenheit, mit der Kuppel zu fahren. © Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr
Gruppenbild mit Künstlern, Vertretern der Urbanen Künste Ruhr, der Ruhrtriennale, der Kultur Ruhr GmbH und der Politik. © Foto: Volker Hartmann/Urbane Künste Ruhr
Auch Staatssekretär Bernd Neuendorf sprach anlässlich der Eröffnung. © Volker Hartmann
Nomanslanding ist bis 13. September auch abends geöffnet - eine besonderes Erlebnis.© Foto: Jäger
Unweit der Installation befindet sich das 1998 eröffnet Museum für Deutsche Binnenschiffahrt. Wer Zeit hat, sollte es ebenfalls besuchen. Die Ausstellung in einem ehemaligen Hallenbad ist sehr interessant. © Foto: dpa

Jetzt macht sie auf einmal Sinn. Denn im Hafenbecken ist ein Ufo gelandet. Oder ein Iglu? Jedenfalls eine silberne Kuppel, 18 Tonnen schwer, fünf Meter hoch. Doch bevor es hineingeht, müssen wir als Teilnehmer der Generalprobe erst mal einen steilen Holzsteg hinab zum Wasser bezwingen. In einem Zelt gibt´s blaue Schwimmwesten. Unsere Namen tragen wir auf Klemmbrettern ein. Ein weiterer Steg führt in die eine Hälfte der Kuppel. Eine zweite Gruppe mit roten Schwimmwesten sitzt uns gegenüber.

Zuerst unmerklich fahren die Hälften der Kuppel auseinander (das Geheimnis darf hier gelüftet werden: Es gibt Schienen unter Wasser). Pling, pling, pling – mit tropfendem Wasser beginnt eine Soundcollage, die zunehmend bedrohlicher klingt. Dann schließt sich die Kuppel und wir sitzen im Dunklen. Die Geräusche einer Schlacht ertönen. Aha, Metapher voraus! Denn in „Nomanslanding“ geht es um den Krieg, der durch den Zusammenstoß der Kuppelhälften symbolisiert wird. Jetzt wird´s bewegend: In der Finsternis singt Emily Dilewski - unser Video zeigt sie-, Studentin der Folkwang-Uni Essen, ein Klagelied.

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„Erspar uns die Tränen“ erklingt in acht Sprachen. Gänsehaut-Musik! „Wir wollten ein Lamento komponieren, so als ob die Toten mit uns sprechen“, wird später Cora Schmeiser sagen, die das Lied zusammen mit Ben Fink komponiert hat. Zum Schluss geht das Licht in der Kuppel an und wir haben Gelegenheit, die verblüffende Akustik dieses Flüsterdoms auszuprobieren. Also: Wie war´s? „Nomanslanding“ bietetet keine Action wie auf der Kirmes und will das auch gar nicht. Man mag die Symbolik simpel finden, doch der schöne weiße Dom bietet ein 30 Minuten langes, bewegendes Kunst-Erlebnis auf dem Wasser.

Parken am Museum der Binnenschifffahrt Duisburg, Apostelstraße 84. Den Schildern folgen.  Bis 13.9. täglich 14- 23 Uhr. Bahnhof Ruhrort in der Nähe. Flache Schuhe anziehen. Wer nicht gut zu Fuß ist, sollte den Zugang über die Treppe wählen, der Steg auf der anderen Seite ist noch problematischer. Die Kombination mit einem Museumsbesuch oder einer Radtour sind zu empfehlen.