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Eine Steckdose - 948 Euro

DORTMUND Wird der "Zug der Erinnerung" durch die Deutsche Bahn AG ausgebremst? Diesen Vorwurf erhebt zumindest der Verein, der eine Ausstellung über die Deportation von Kindern während der Nazi-Zeit in einem historischen Sonderzug durchs Ruhrgebiet rollen lässt.

von Von Bettina Jäger

, 24.01.2008
Eine Steckdose - 948 Euro

<p>In den Abteilen erinnern Bilder von deportierten Kinden an ein grauenhaftes Kapitel deutscher Geschichte. dpa</p>

Der Holocaust traf Kinder aus jüdischen Familien, aus Familien der Sinti und Roma und Kinder von Nazi-Gegenern. Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Jungen und Mädchen, die nie aus den Konzentrationslagern zurückkehrten.

Zug mit Dampflok

Ein grauenhaftes Kapitel deutscher Geschichte, das im "Zug der Erinnerung" anhand von Einzelschicksalen aufgearbeitet wird. Am 10. Februar kommt der historische Zug mitsamt Dampflok nach Dortmund, ab 14. Februar steht er in Bochum.

Kosten explodieren

Ursprünglich waren auf der Strecke von Frankfurt nach Auschwitz gar keine Stationen im Ruhrgebiet geplant. "Wir haben aber unglaublich viele Anfragen aus NRW erhalten", sagt Hans-Rüdiger Minow, Vorstandssprecher des Vereins "Zug der Erinnerung", der ehrenamtlich in Rheinland-Pfalz arbeitet. Mit der Ausweitung der Strecke von ursprünglich geplanten 3000 auf 6000 Kilometer explodierten die Kosten.

Mehrkosten von 60 000 Euro

Denn die Bahn kassiert kräftig: pro Trassenkilometer 3,50 Euro, 200 bis 400 Euro für die Nutzung des Bahnsteiges. "Dafür, dass die Besucher den Beton des Bahnsteiges abnutzen", sagt Minow mit bitteren Humor. Dafür, dass eine Stromleitung zu den Waggons gelegt wird, gibt's ebenfalls horrende Rechnungen. Für einen halbstündigen Stopp in Mannheim kostete die Bereitstellung einer Steckdose (!) 948 Euro, wobei der Verein den Strom noch extra zu bezahlen hatte. Trotz solcher Summen war die ursprüngliche Tour bereits durch Spenden komplett vorfinanziert. Nur durch die Ausweitung der Strecke steht der Verein nun vor Mehrkosten von rund 60 000 Euro.

Ehrenwertigkeit des Projekts in unbestritten

Da stellt sich die Frage: Muss die Bahn dieses Geld eigentlich eintreiben? Ein Unternehmenssprecher der Deutschen Bahn AG wirbt um Verständnis. "Die Ehrenwertigkeit des Projektes ist unbestritten", sagte er gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Die "leider Gottes" reibungslose Zusammenarbeit der Reichsbahn mit den Nazis sei ein "Thema, über das man reden muss"."

Alle gleich behandeln

Dennoch sei die Deutsche Bahn AG verpflichtet, alle Unternehmen, die Schienen und Bahnhöfe nutzen, gleich zu behandeln: "Wenn wir Stationsgebühren erlassen, handeln wir rechtswidrig." Das sei der Initiative von Anfang an klar gewesen.

Auch die bahneigene, gerade erst in Berlin eröffnete Ausstellung "Sonderzüge in den Tod" führe Gebühren an das Tochterunternehmen DB Netz AG ab. Von einem Vorstoß der Verkehrspolitiker des Bundestages, die Gebühren für den "Zug der Erinnerung" zu kassieren und als Spende wieder zurückzugeben, war dem Sprecher gestern nichts bekannt.

Spendenbox

Hans-Rüdiger Minow hofft derweil auf die Besucher, die sich die Ausstellung ansehen. "Wir finanzieren uns aus einer kleinen Spendenbox, die im Zug steht", erzählt er. Die Menschen werfen hier durchschnittlich 25 Cent bis zwei Euro ein. Minow: "Unsere Besucher sind einfache Menschen, die über nicht viel Geld verfügen."