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Künstler lebte auf Zollverein-Gelände

Einfaches Leben ohne Handy und Herd

ESSEN "Ohne" – dieses kleine Wort war bestimmend für das Leben, das Steven Emmanuel seit Mitte Juli auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen geführt hat. Ohne Telefon, ohne Computer, ohne warme Dusche, ohne Licht - sprich ganz ohne Energie - verbrachte der 30-jährige Künstler seine Tage und Nächte auf dem Weltkulturerbe. "The Good Life?!" ("Das gute Leben?!") nannte er seine Performance-Aktion.

Einfaches Leben ohne Handy und Herd

Steven Emmanuel vor seinem Schlaflager.

Ist dieses einfache Leben uns heute noch möglich, und ist dieses Leben dann auch das gute Leben? Diese Fragen interessierten den Stipendiaten des „Artist in Residence“-Programms der RWE-Stiftung. So ließ er Handy und Herd zurück, mit dem strengen Vorsatz, allein und nur von dem zu leben, was die Natur ihm bietet. „Völlig naiv“ sei das gewesen, gibt der Künstler zu. „Ich habe vorher nicht gecampt oder ein Überlebenstraining gemacht.“ Er lernte Feuer zu machen, las ein Buch über Waldfrüchte, das war‘s. Deswegen machte er anfangs auch viel falsch, sagt er. „Ich bin viel zu viel gewandert, um Essen zu finden.“ Beeren, Äpfel, Haselnüsse und Brennnesseln habe er schließlich auf dem Zechengelände aufgetan. Fleisch gab es nicht. „Die Kaninchen waren zu schnell für mich“, sagt der Künstler. Und töten hätte er sie wohl auch nicht können, es ging ja auch so.

Härter noch als der Kampf ums Essen war der Kampf gegen die Einsamkeit. „Ich habe meine Frau sehr vermisst“, erzählt Emmanuel. Als Künstler sei er auch zwar sonst viel unterwegs, aber dann würden sie jeden Abend über Skype Kontakt halten.

HAMME Neuerdings steht an der hängt an der Autobahnkirche Ruhr der Schriftzug "Komm mal zur Ruhe". Wer oft die A40 entlang fährt, hat die Worte bestimmt schon gesehen. Lange haben die Verantwortlichen darüber nachgedacht, welche Botschaft sie dorthin schreiben wollen. Und lang dauerte es auch, bis das Vorhaben dann realisiert werden konnte.mehr...

Das können die Eheleute nun auch wieder, sogar eher als geplant, denn der Künstler musste das Projekt am Sonntag – vier Tage vor Ende – abbrechen. Der Grund: Am Samstag wurden ihm seine (über)lebenswichtigsten Besitztümer aus seinem Lager gestohlen: Axt, Messer, Notfallmedikamente. Eine Nacht schlief er noch unter freiem Himmel, dann war Schluss.

Gelernt hat er aber auch so einiges, über sich selbst und über das Leben. Wie genau er diese Erfahrungen nun künstlerisch umsetzt, konnte Emmanuel gestern noch nicht sagen. Es werde seine Tagebucheinträge zu einem Buch zusammenfassen und es werde vielleicht eine Ausstellung geben. Ob die dann auch, so wie er, ganz ohne Energie auskommt, glaubt er aber nicht. 

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