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"Elegy" ist ein schöner Film über die Liebe

Ein Literaturdozent, der auf die 70 zugeht. Eine Studentin, die in seinem Seminar sitzt. Und bald in seinem Bett liegt. Alter Mann und junge Schönheit. Hört sich nach fallgrubenträchtiger Klischeegeschichte an: Betagte Kerle, die nach jungen Dingern gieren, um ihre Todesahnung zu verdrängen.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 29.08.2008
"Elegy" ist ein schöner Film über die Liebe

Schauspieler Ben Kingsley und Penélopé Cruz in "Elegy"

Die Romanvorlage zu "Elegy" stammt von Philip Roth ("Das sterbende Tier"), inszeniert hat aber eine Frau, Isabel Coixet. Roth wird zwar gern schäumende Alters-Fantasie bescheinigt, doch auch seine schärfsten Kritiker gestehen dem 75-Jährigen zu, dass es in seinen Romanen um mehr geht als um die Obsession für junge Frauen.

 Der Film erkundet die Innenwelt seiner Figuren Coixets Film interessiert sich nicht für dampfend schwüle Peinlichkeit. "Elegy" erkundet vielmehr die Innenwelt seiner Figuren. Und landet im Menschlich-Allzumenschlichen, durchaus rührend und zu Herzen gehend.

Ein Hobby-Zyniker und später Hedonist, ein Mann, der sich zu kennen glaubt, tappt in die Venusfalle. Plötzlich verliebt! Ben Kingsley (viril und kraftvoll wie in "Sexy Beast", doch hier sympathisch) spielt David Kepesh, den Professor. Im Fernsehen kann er kühl dozieren, über die freie Liebe im Wandel der Zeiten. Jetzt aber hat es ihn erwischt. Er rast auf der emotionalen Achterbahn wie ein Teenager: Großes Verlangen, starke Eifersucht, noch stärkere Angst, verlassen zu werden.

Kingsley und Cruz spielen wunderbar Consuela heißt die Angebetete, besetzt mit Penélope Cruz. David ist Wachs in ihren Händen. Er, der jede Bindung scheut, der puren Sex für sein Ideal hielt. Jetzt verspürt er dieses Brausen, das ihn kirre macht. Er wird es vermasseln mit Consuela. Weil er seinem Glück nicht traut, weil er fürchtet, sich zum Narren zu machen, weil er ein Zweckpessimist ist...

Isabel Coixet ist ein schöner und kluger Film über die Liebe geglückt. Man kann sich nicht wappnen gegen sie, und sei man noch so clever. Kingsley und Cruz spielen wunderbar. Dennis Hopper hat eine dankbare Rolle als Davids Freund und Ratgeber. Selbst ein Finale à la "Love Story" kann die schwebende, ironiegefärbte Heiterkeit des Films nicht beschädigen.