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Fernseh-Star Almila Bagriacik träumt in Bochum ohne Tabus

Schauspielhaus Bochum

„Träum weiter“ erlebte an den Bochumer Kammerspielen seine Uraufführung. Das Theaterdebüt von „Almanya“-Autorin Nesrin Şamdereli weitet Toleranz-Grenzen.

Bochum

, 26.02.2018
Fernseh-Star Almila Bagriacik träumt in Bochum ohne Tabus

Begegnung im Zwischenreich: Almila Bagriacik und Vedat Erincin spielen in „Träum weiter“. Foto: Küster © Diana Küster

Ein wunderbares, mit deutsch-türkischen Fernsehstars gespicktes Ensemble träumt in den Bochumer Kammerspielen den Traum von der tabufreien Kommunikation. Von einer Welt, in der Menschen sich alles sagen können, Sexualitäten und Vorlieben leben können ohne bewertet oder verurteilt zu werden.


Debüt auf der Theaterbühne


„Träum weiter“ heißt die Uraufführung von Autorin Nesrin Samdereli. Es war ein Wagnis, sie mit diesem Auftrag zu betrauen: Samdereli hat zwar den Deutschen Filmpreis für ihr Drehbuch zum Film „Almanya“ gewonnen, für die Bühne hat sie allerdings noch nie geschrieben.

Das war offenbar kein Problem, sie folgt einfach ihrem Stil: Die Geschichte um die homosexuelle Komapatientin Nil erzählt sie turbulent, mit hoher Gag-Dichte. Sie lässt Welten und Kulturen aufeinanderprallen, überschreitet beim Griff in die Klischee-Kiste fröhlich Schmerzgrenzen.

Regisseurin Selen Kara hat dieses Treiben auf der traumlogisch, halb-realen Drehbühne von Lydia Merkel inszeniert. Auf einer Seite liegt Nil im Krankenbett, verkörpert - warum auch immer - von einem Cello. Auf der anderen, einem Bahnhof als Transit-Ort zwischen Leben und Tod, ist sie ein echter Mensch, gespielt von 4-Blocks- und bald Tatort-Star Almila Bagriacik.


Herrlich überdreht


Während sich am Krankenbett ihre geschiedenen, türkisch-griechischen Eltern mit „Dr. Chefarzt“ streiten, den Dennis Herrmann als herrlich überdrehte Transgender-Person spielt, begegnet Nil Menschen aus ihrer Vergangenheit und muss entscheiden, ob sie überhaupt zurückkehren will ins Leben und den Mut aufbringen kann, ihre Sexualität gegen kulturelle Widerstände zu leben.

Bagriacik tut sich manchmal noch schwer mit der Darstellung großer Emotionen, die die Bühne fordert. Und was verhandelt wird, ist manchmal banal. Trotzdem ist dieses Stück ein wichtiges Statement, weitet Toleranz-Grenzen und macht einfach Spaß.

Termine: 3., 8., 16. und 23. März; Karten: Tel. (0234) 33335555.
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