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Theater-Projekt "Ruhrorter"

Flüchtlinge zeigen die Kunst des Wartens

MÜLHEIM Die Idee hinter dem Projekt "Ruhrorter" ist ein wenig widersprüchlich. Das sagt auch Projektleiter Adem Köstereli (29). Doch der Widerspruch des "Theaters mit Flüchtlingen", das kein "Flüchtlingstheater" ist, lässt sich für ihn leicht auflösen.

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„Als gestern jedes Heute noch das Morgen war und jedes Heute morgen schon zum Gestern wird“ heißt das neue Stück der Ruhrorter. Das Ensemble besteht fast komplett aus Flüchtlingen.

Das aktuelle Ensemble probt das Warten.

"Wir machen hier keine Theaterpädagogik", sagt Köstereli. Dass die zehn Flüchtlinge in seinem Ensemble auf der Bühne auch ihre Erlebnisse verarbeiten, ist ein positiver Nebeneffekt, aber "eigentlich geht es um das Theater, die Kunst."

Afghanistan, Syrien, Indien

Zusammen mit Dijana Brnic (30), Regieassistentin von Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr, leitet Adem Köstereli die Theatergruppe der "Ruhrorter", benannt nach der Adresse ihres Proberaums an der Ruhrorter Straße in Mülheim. Hier, auf einer der drei Probebühnen des Theaters an der Ruhr, treffen sich die Darsteller an mindestens drei Abenden pro Woche zum Proben.

Mariam (23) kommt aus Afghanistan, Elisar (16), Muhammed (22), Raghad (17), Omar (20), Noura (22), Ayoub (35), Saad (20) und Yousef (30) kommen aus Syrien - Yogesh (27) aus Indien ist als Einziger von ihnen nicht nach Deutschland geflohen.

Kein Doku-Theater

Was alle Elf gemeinsam haben, ist der Spaß am Theaterspielen. Doch trotz aller Leidenschaft fordert Regisseur und Produzent Köstereli bei den Proben höchste Konzentration. "Wir sind wegen des Theaters hier", sagt er. "Und wir wollen konzentriert arbeiten." Die Tatsache, dass fast alle Darsteller Flüchtlinge sind, soll nicht im Mittelpunkt stehen. "Die Kategorie 'Flüchtling' soll sich auf der Bühne auflösen. Deshalb machen wir auch kein Doku-Theater oder stellen Einzelschicksale dar", so Köstereli.

Theater an der Ruhr

Flüchtlinge machen Theater

MÜLHEIM Flüchtlinge sind in Gesellschaft und Politik längst ein beherrschendes Thema. Das Theater an der Ruhr in Mülheim bringt sie auf die Bühne. Politik will die Bühne damit nicht machen. Das Projekt "Ruhrorter" des Theaters an der Ruhr in Mülheim ist ein Beispiel, wie die Kultur sich dem Thema nicht explizit politisch, sondern ästhetisch nähern kann.mehr...

Trotzdem geht es in dem Stück, das die Truppe seit März probt auch um etwas, mit dem alle Flüchtlinge Erfahrung haben: das Warten. Köstereli nennt es "die Kunst des Wartens." Und so proben die Ruhrorter derzeit eine Szene, in der sie Nummern ziehen, auf unbequemen Stühlen sitzen, darauf warten, endlich an der Reihe zu sein - und dabei einschlafen, ihre Schuhe putzen, Chips essen, sich langweilen und sogar den Zettel mit der Nummer zerreißen.

Deutsche Ämter

Aus dem Off kommt eine Durchsage: "501", alle gucken auf ihre Zettel, keiner ist an der Reihe. So geht es weiter, eine gefühlte Ewigkeit. In Wirklichkeit muss es noch viel schlimmer sein für die Wartenden in deutschen Ämtern.

Es wird auffällig wenig geredet auf der Bühne. Vielleicht, weil noch nicht alle so gut Deutsch sprechen. Bei den Proben bedienen sich alle einer Mischung aus Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch. Es scheint zu funktionieren, denn was man dort sieht, ist echtes Theater, keine Gruppentherapie mit Rollenspielen.

Premiere im Juni

Premiere ist am 3. Juni mitten in der Innenstadt von Mülheim in einem leer stehenden Gebäude. "Bis dahin haben wir aber noch Einiges zu tun", sagt Regisseurin Dijana Brnic. "Wahrscheinlich schreiben wir zwei Tage vor der Premiere noch mal den Schluss um." Auch auf einen Titel für das Stück haben sich die Ruhrorter erst spät geeinigt: "Als gestern jedes Heute noch das Morgen war und jedes Heute morgen schon zum Gestern wird".

 

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