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Das Interview

Frank Goosen erzählt von der Midlife-Krise

BOCHUM Vier Herren, davon drei mitten in der Midlifecrisis: Das sind die Hauptzutaten für Frank Goosens neuen Roman „Förster, mein Förster“. Letzterer, Roland Förster, ist ein Schriftsteller mit Schreibblockade, der zwar Pech im Beruf, aber Glück bei den Damen hat. Über das Buch und einen Hamster namens Edward Cullen sprach Uwe Becker mit dem Autor aus Bochum.

Frank Goosen erzählt von der Midlife-Krise

Der Bochumer Autor Frank Goosen hat ein neues Buch geschrieben, über Männer in der Midlife-Krise.

Herr Goosen, ganz ehrlich: In meinem nächsten Leben möchte ich Roland Förster sein. Dem Mann geht es doch super... Im Prinzip geht es ihm gut, er hat allerdings Anflüge von Melancholie. Es kann einen Schriftsteller ja schon ein bisschen runterziehen, wenn ihm seit Jahren nichts mehr einfällt und er überwiegend von der beruflich erfolgreichen Freundin leben muss. Aber Sie haben Recht: Ich wollte keine Figur, die sich in einer existenziellen Krise befindet, sondern mir geht es mehr um die grundlose Schwermut des modernen Menschen, was durchaus auch ironisch gemeint ist.

Ich habe versucht, mir den Förster körperlich vorzustellen. Bei Frauen hat er ja Glück, seine Verflossene ist Tatort-Kommissarin, und die aktuelle wird im Buch auch als durchaus ansehnlich beschrieben. Wenn ich ihn hätte körperlich beschreiben wollen, hätte ich es ins Buch geschrieben. Ich wollte Förster bewusst vage halten, damit man dem Leser nicht zu viel Interpretationsmöglichkeiten wegnimmt.

Haben Sie da tatsächlich kein visuelles Vorbild? Oder überhaupt ein Vorbild? Nein, optisch schon gar nicht. Und wenn, dann wäre es jemand aus dem persönlichen Bekanntenkreis, das sollte ich öffentlich dann lieber nicht sagen. Mir geht es mehr um die innere Verfassung der Personen. Und da fließen natürlich schon Erfahrungen von mir selber ein oder Beobachtungen, die ich gemacht habe.

Goosen ist drin im Förster? Ein bisschen Goosen ist immer drin in den Figuren meiner Bücher. Es sind ja immer Mischungen aus eigenen Erfahrungen und zugespitzten Erfindungen.

Man erwartet, wenn man das Buch durchhat, eigentlich schon die Fortsetzung. Da bleibt einiges offen. Ich habe eine große Zuneigung zu allen Figuren und auch zu dem Ton, den ich im Förster angeschlagen habe, für mich ja durchaus auch was Neues, so etwas wie eine Weiterentwicklung. Die Figuren aus dem Buch – Frenge, Brocki, Förster, Finn – die kommen ja alle in der ein oder anderen Geschichte meines Bühnenprogramms vor. Was von den Figuren sonst noch zu erwarten ist, muss man sehen. Erstmal bin ich sehr froh, dass dieses Buch jetzt fertig ist.Ich kenne die Typen alle, die in ihrem Buch mitspielen, insbesondere den Klugscheißer. Was mich am Förster etwas stört ist, dass er in den Auseinandersetzungen seiner Kumpels nie Stellung bezieht. Das ist doch typisch, wenn Menschengruppen zu dritt auftreten, dass da einer in der Mitte steht und zuschaut. Aber Förster ist eben auch einer, der alles im Leben mit einer gewissen Gelassenheit sieht. Und Probleme durchaus auf diese Art löst.Wie kam der Hamster ins Buch? Für mich ist das erste Kapitel eine Hommage an „Herrn Lehmann“ von Sven Regener. Der kommt ja durchs frühmorgendliche Berlin nach Hause und da sitzt ein Hund vor der Tür. Bei mir ist es ein Hamster geworden. Warum, weiß ich auch nicht genau. Manche Ideen sind eben plötzlich da. Den Hamster kann man ja auch schnell mal in die Tasche packen und mitnehmen.Haben Sie ein Publikum vor Augen, wenn Sie schreiben? Ich denke, man kann sich da kein Publikum vorstellen. Ich weiß, dass ich nach 15 Jahren, in denen ich Bücher veröffentliche, Fans habe, die immer wiederkommen, was ich sehr schön finde. Aber man setzt sich nicht hin und sagt: Ich schreibe jetzt für die. Ich habe eine Grundidee, mal eine Figur und mal eine Story. Mal ist es auch der erste Satz oder eine Stimmung, und dann geht es darum, das handwerklich in Worte zu fassen.Sie haben gerade gesagt, dass Sie das Buch für eine Weiterentwicklung halten. Stilistisch oder inhaltlich? Ich glaube, dass sich der Ton leicht verändert hat, was ich auch deutlich beim Einsprechen des Hörbuches gemerkt habe. Es sind mehr längere Sätze geworden, es hat einen stärker ironischen Ton, der ja bei mir nie weit weg war, aber jetzt ist es nochmal eine andere Form. Es steht nicht die Handlung im Vordergrund, es sind die Figuren und wie die miteinander umgehen. Auch in der Frage, wie die Figuren sich der verrinnenden Zeit ihres Lebens stellen, bin ich sicherlich nochmal einen Schritt weitergegangen. Was sicherlich damit zu tun hat, dass meine Lebenserfahrung gewachsen ist.In welcher Atmosphäre schreiben Sie? Turmzimmer mit Blick auf die Ruhr? Weil ich viel auf Tour bin, kann ich auch in Hotelzimmern und im Zug schreiben, wenn mir was einfällt. Normalerweise sitze ich aber in meinem Arbeitszimmer. Das ist unterm Dach, aber aus dem Fenster gucke ich nicht. Mein Stuhl muss so stehen, dass ich ins Zimmer gucke. Ich kann nicht mit dem Rücken zur Tür sitzen, keine Ahnung, warum. Da kann man lange drüber spekulieren.Nehmen Sie sich feste Arbeitszeiten vor? Im Prinzip ja. Vormittags irgendwann nach 9 gehe ich ins Arbeitsziummer, meist jedenfalls. Dann schreibe ich bis zum Mittagessen, dann geht es weiter. Und ich schaufel mir die Zeit von Weihnachten bis Mitte Februar komplett frei, mache da keine Auftritte um Zeit fürs Schreiben zu haben. Manchmal ist aber auch die Zeit im Urlaub ganz gut. Ein paar Kapitel habe ich während der Ferien in Dänemark geschrieben. Schreiben ist dann keine Arbeit für mich.Der Förster hat als Schriftsteller überschaubaren Erfolg. Haben Sie einen riesigen Ideenvorrat beziehungsweise genug gespart für schlechte Zeiten? So viel Geld habe ich nicht zurückgelegt, dass ich mal locker zwei Jahre Schreibblockade überstehen könnte. Aber im Notfall könnte ich immer noch mit meinen Kabarettprogrammen touren. Ich habe bislang aber keine längere Schreibblockade gehabt. Natürlich ist das eine Sorge. Bei kreativen Menschen kann man ja nicht immer sagen, wo die Ideen herkommen, dementsprechend schwer wird es, wenn sie ausbleiben. Ideen habe ich viele, aber die Frage ist: Finde ich die Worte dafür?Wer darf Ihnen ins Buch reinquatschen? Die Erstleserin ist meine Frau, die sehr kenntnisreich und kritisch ist. Dann natürlich das Dreigestirn aus Managerin, Lektorin und Verleger. Ich habe also einen gehörigen Schuss weiblichen Einfluss dabei. Ich mag es, inhaltlich mit Frauen zusammenzuarbeiten.Wie viel sind Sie bereit zu ändern? Kommt auf die Argumente an. Erstmal geht es ja um die Beseitigung inhaltlicher Fehler. Dass man auf Seite 30 was behauptet und auf Seite 150 das Gegenteil. Und wenn mir mehrere Menschen sagen, dass etwas nicht plausibel ist, nehme ich mir davon was an. Ich höre manchmal von Autoren, dass sie sich in nichts reinreden lassen. Ist ein Fehler meiner Meinung nach.

Wenn man es positiv sehen will: Der Bochumer Ruhrpottbarde Frank Goosen bleibt seinem typischen Sound und seinen nostalgischen Themen, die viele Leser mögen, im aktuellen Buch "Förster, mein Förster" treu.mehr...

John Irving hat mal gesagt, schreiben ist ein Achtel Talent und sieben Achtel Handwerk. Da ist was dran, obwohl ich die Gewichtung schon etwas anders legen würde. Talent braucht man sicherlich und vor allem auch den inneren Drang, es immer wieder zu tun. Und man muss Disziplin haben. Es gibt amerikanische Bestsellerautoren, da geht es sehr nach Reißbrett. Aber jede Form von Kunst braucht Unberechenbarkeit bis hin zum Wahnsinn.

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