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Theater Dortmund

„Frau Luna“ lädt zum Ball im All

Dortmund Früher war mehr Glitzer. Glamourös fliegt die Oper Dortmund zum Mond. Und eine Opernsängerin am Vertikaltuch hat man so noch nicht gesehen.

„Frau Luna“ lädt zum Ball im All

Frau Luna (Emily Newton) ist verführerisch. Da ist selbst ein Berliner wie Steppke (Bonko Karadjov) sprachlos. Foto: Foto: Fotografie Bjoern Hickmann

Mit dieser Inszenierung von „Frau Luna“ kann das Theater Dortmund durch die Karnevalszeit glitzern. Regisseur Erik Petersen und Ausstatterin Tatjana Ivschina haben die Operette von Paul Lincke als opulentes Ausstattungsstück auf die Bühne gebracht. Das Premierenpublikum feierte die mondäne Revue am Samstag mit minutenlangen Ovationen im Stehen. Nach knapp drei Stunden war das Publikum mondsüchtig.

Video von der Milchstraße

Mit Herz, Milieu und Schnauze bringt Petersen den ersten Akt in einem Berliner Hinterhof auf die Bühne. Bonko Karadjov als Erfinder Fritz Steppke und Johanna Schoppa als Witwe Pusebach-Original berlinern sich in die Herzen der Zuschauer und heben im Express-Ballon mit den Freunden Lämmermeier (Morgan Moody) und Pannecke (Marvin Zobel) tatsächlich ab in Richtung Milchstraße, um den Mann im Mond zu suchen.

Die 20er-Jahre-Ästhetik der Kostüme zeigt auch das humorvolle Schwarz-Weiß-Video, in dem die Freunde über die Milchstraße düsen – Frau Pusebach im Schlepptau.

Logisch ist in dieser Operette nichts – auch nicht, dass der Mond ein Vergnügungspark ist, der sich zum Mondscheinball richtig herausputzt. Alles, was die Schneiderwerkstätten an Glamour-Glitzer-Kostümen hergeben, bringen Planeten und Mondgrazien mondän auf die kosmische Revuetreppe – irgendwo zwischen Silvester und Karneval, zwischen Admiralspalast und Varieté.

Intergalaktischer Zauber

Bei so viel intergalaktischem Bühnenzauber reicht es nicht, wenn Frau Luna im knappen Silbernen die Showtreppe herunterspaziert. Die Dortmunder Oper hat mit Emily Newton in ihrer letzten großen Rolle in Dortmund eine Sängerin, die den Mut hat, am Vertikaltuch zu turnen und die dabei – flankiert von zwei Luftballett-Akrobatinnen – noch glänzend singt. So etwas Wagemutiges machen wohl nur Amerikanerinnen.

Alle Figuren hat Petersen detailverliebt gezeichnet: Julia Amos ist eine liebreizende Marie und kesse Mondgroom; Ileana Mateescu als Lunas Zofe eine steife Stella, die gut beim Glücksrad Buchstaben umdrehen könnte.

Kapellmeister Philipp Armbruster bringt Hits wie „Das ist die Berliner Luft“ und „Schlösser, die im Monde liegen“ mit den Dortmunder Philharmonikern und einer Mondball-Kapelle auf der Bühne zündend ans Ohr. Und er macht die Operette mit weiteren Einlagen im zweiten Akt noch mehr zur Revue.

Brock als Beniamino Gigli

Da bekommt auch Hannes Brock in seiner Abschiedsrolle als Prinz Sternschnuppe ein Solo allein auf der Bühne. Wie ein Beniamino Gigli verabschiedet sich der Kammersänger mit „Es war einmal“. Diese „Es war einmal“-Welt der Berliner Operette, in der der Weltuntergang im Viervierteltakt gefeiert wird, wird garantiert ein Kassenschlager.

Termine: 26.1., 4./9./11./ 24.2., 3./23.3., 6./ 11./17./ 27.5.; Karten: Tel. (0231) 50272 22.

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