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"Tagebuch eines Wahnsinnigen"

Furioses Solo: Samuel Finzi dreht durch

RECKLINGHAUSEN Ein Mann dreht durch. Ein Bürohengst, der eine Obsession für die Tochter seines Chefs entwickelt. Seine gefühlte Minderwertigkeit schlägt in Größenwahn um. Bis er sich für den König von Spanien hält und in der Anstalt landet.

Furioses Solo: Samuel Finzi dreht durch

Der Schauspieler Samuel Finzi in der Rolle des Poprischtschin im Stück "Tagebuch eines Wahnsinnigen" von Nikolai Gogol.

Heute würden wir sagen, Gogols "Tagebuch eines Wahnsinnigen" handele von einem Stalker, der in eine Psychose driftet. Eine Fallstudie. Geschrieben 1835, lange bevor die Psychoanalyse Begrifflichkeiten für die Seele fand. Und doch unendlich klug in seiner Beschreibung menschlicher Verlorenheit.Verirrungen eines kranken Geistes Bei den Ruhrfestspielen war es Samuel Finzi, der uns in einem furiosen Solo in die Verirrungen eines kranken Geistes blicken ließ. Hanna Rudolphs Inszenierung für das Deutsche Theater Berlin lebt ganz von Finzis feinnervigem Spiel.Manischer Typ

Schon in der Auftakt-Musik wispert unterschwellig der Wahnsinn. Auf kahler Bühne stehen ein Stuhl und ein Rollwagen voller Bretter. Das Licht geht an. Nichts passiert, Stille. Auf den Rängen beginnt einer zu brabbeln. "Kommt da noch jemand? Ich bin ja gern im Theater, aber was die für Stücke schreiben." Es ist Samuel Finzi, der unter uns hockt und ungefragt zu einem Sermon ausholt. Wie einer dieser manischen Typen, die an der Bushaltestelle im Selbstgespräch versuchen, die Welt zu verdauen. Wie ein Freigänger aus der Nervenklinik.Große Schauspielerei

Monologisierend, schrill kichernd reportiert der kleine Beamte ein Leben, das ihm entgleitet. Wunderbar, wie Finzi moduliert und tremoliert, sich in Rage redet, Weltekel heraus kläfft und ins Wolkenkuckucksheim abhebt. Das ist große Schauspielerei, das Wahngebäude der Figur so aufzuschließen, dass man Mitleid mit dem armen Teufel hat. Minutenlang Applaus.

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